Entsorgung und Brandproblematik

Häuserdämmung mit Hanf: Schrecksbacher Firma setzt auf Öko-Baustoff

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Dämmen Häuser mit Hanf: Kristof Michalak (links) und Alexander Schwalm. 

Schrecksbach. Fällt der Begriff Hanf, denken viele Menschen zunächst an Marihuana oder Haschisch. Dabei ist die Nutzpflanze mehr als nur Basis illegaler Drogen.

Trotzdem ist die Anpflanzung streng reglementiert. Neben der Verwendung in der Ernährungs- und Textilindustrie kommt Hanf mittlerweile auch auf dem Bau zum Einsatz.

Der in Schrecksbach ansässige Putz- und Malerbetrieb Schwalm nutzt die alte Kulturpflanze zum Dämmen von Häusern. „Ich habe von der Hanfdämmung in Fachzeitschriften gelesen und wollte mich der Sache nicht verschließen“, sagt Alexander Schwalm. Die Hanfdämmung sei zwar im Gegensatz zu Polysterol teurer, aber die Vorteile von Hanf seien unbestreitbar, so der Handwerksmeister: „Ich denke, es wird zunehmen.“

Schnell wachsender Rohstoff

Wegen seiner Eigenschaften beliebt: Nutzhanf als Wärmedämmung.

Hanf verfügt über eine hervorragende Ökobilanz: Der Rohstoff wächst besonders schnell - bei sonnigem Wetter bis zu vier Meter in 100 Tagen. Darüber hinaus bindet die Pflanze während des Wachstums laut Hersteller mehr Kohlendioxid als ein vergleichbares Stück Wald.

„Als wir anfangs darüber gesprochen haben, haben wir scherzhaft gesagt, dass wir die Abfälle ja auch noch verticken können“, sagt Alexander Schwalms Frau Nicole lachend.

Aufgrund der Schimmel- und Brandproblematik stehe mittlerweile so mancher Bauherr der klassischen Polysterol-Dämmung skeptisch gegenüber und setze auf den ökologischen Baustoff, weiß Schwalm: „Bei einem Brand glimmt Hanf und brennt nicht.“ Ein weiterer großer Vorteil sei die Entsorgung, sagt der Schrecksbächer: „Polysterol ist Sondermüll, die Hanfplatten kann man einfach in den Gewerbemüll werfen.“

Der Einsatz von Hanf als Wärmedämmverbundsystem ist noch relativ neu. Zurzeit dämmen Schwalm und seine Mitarbeiter in Schrecksbach das Haus von Berufsschullehrer Bernd Schmerer. Eine extra Schulung gab es nicht. Egal ob Holzfaserdämmplatten oder Hanf, die Arbeitsabläufe ähneln sich. Sorgfalt bei Verarbeitung des Baustoffs sei das A und O, betont der Malermeister: „Wichtig ist es zu verhindern, dass die Dämmung nass wird.“ Das Gebäude sei gewissermaßen ihr Referenzobjekt für Hanfdämmung, sagt Schwalm.

Bauherr Schmerer hat sich ganz bewusst für den ökologischen Baustoff entschieden: „Ich erhoffe mir von der Hanfdämmung nicht nur einen besseren Wärmeschutz, sondern im Sommer auch einen Hitzeschutz und damit kühlere Räume im Haus.“

Quelle: HNA

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