Ungewöhnliche Methode

Er schreibt selbst Firmen an: Felsberger kämpft gegen Leerstand

Leere Schaufenster: Michael Fehmer vor einem Ladenlokal an der Posener Straße in Felsberg. Vor einigen Wochen ist der Textil-Discounter Kik dort ausgezogen. Kik will zwar eine neue Filiale im Steinweg eröffnen – ein Termin steht allerdings noch nicht fest. Und auch einen neuen Mieter für das alte Ladenlokal gibt es bislang nicht. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Wer durch Felsberg läuft, muss nicht lange nach leeren Ladenlokalen suchen. „Es stehen etwa 20 Geschäfte leer", schätzt Anwohner Michael Fehmer. Das will Fehmer ändern. Er kämpft mit einer ungewöhnlichen Methode: Er schreibt Firmen an und fordert sie auf, sich in Felsberg anzusiedeln.

„Ich mache das jetzt seit mindestens fünf Jahren. Das ist mittlerweile so eine Art Hobby von mir geworden“, sagt Fehmer, der eigentlich als Versicherungskaufmann arbeitet. „Dank des Internets ist es ja ganz einfach, mit den Unternehmen Kontakt aufzunehmen.“

In 95 Prozent der Fälle, sagt Fehmer, erhalte er auf seine Anfragen auch eine Antwort. Doch diese fielen leider immer ähnlich aus, berichtet er: „Die meisten Firmen wollen sich an einer Hauptverkehrsstraße ansiedeln und behaupten, dafür gebe es in Felsberg keine geeigneten Grundstücke.“ Und leerstehende Ladenlokale wollten die Unternehmen ebenfalls nicht übernehmen: „Da heißt es dann immer, die seien zu klein, und dass ein Umbau teurer sei als ein Neubau.“ Immerhin habe zum Beispiel die Supermarktkette Lidl auf seine Anfrage hin einen Vertreter nach Felsberg geschickt, um sich vorhandene Flächen anzusehen - doch letztlich wurde nichts aus einer Ansiedlung.

Fehmer lässt sich von den vielen Absagen aber nicht abschrecken und probiert es weiter. Die Firmen reagierten oft überrascht darauf, dass sich ein Privatmann mit diesem Anliegen an sie wende. Aber für Fehmer ist sein ehrenamtliches Engagement gegen den Leerstand selbstverständlich: „Ich will nicht nur sagen, dass mir etwas nicht gefällt - sondern auch etwas dagegen tun.“

"Drogeriemarkt und Schuhgeschäft wären gut"

Häufig höre er von Bekannten, dass sie für bestimmte Besorgungen bis nach Melsungen oder noch weiter fahren müssen, erzählt Fehmer. Er will, dass Felsberg lebenswert bleibt - auch für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind. „Wir reden immer über seniorengerechtes Wohnen - aber die Nahversorgung muss auch da sein.“ Und da gebe es in Felsberg noch viel zu verbessern. „Ein Drogeriemarkt und ein Schuhgeschäft wären gut.“ Aber nicht nur an Geschäften mangelt es aus Sicht von Fehmer. „Ich habe auch bei der Ärztekammer nachgefragt, warum es in Felsberg zum Beispiel keinen Kinder- und keinen Frauenarzt gibt.“ Als Antwort habe er bekommen, dass das Einzugsgebiet in Felsberg zu klein sei.

Ähnlich argumentierte auch die Drogeriemarktkette dm, die Fehmer zuletzt angeschrieben hat. Im Antwortschreiben von dm, das der HNA vorliegt, heißt es: „Wir benötigen rund 20.000 Einwohner im Einzugsgebiet, um ein solches Projekt realisieren zu können.“ Aus Fehmers Sicht ist das kein Argument. Schließlich kämen zu den 11.000 Felsbergern noch potenzielle Kunden aus den umliegenden Kommunen Melsungen, Wabern und Gudensberg dazu, argumentierte er gegenüber dm - erhielt darauf aber bislang keine Antwort mehr.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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