Theater aus Immichenhain spielte für Kinder in den USA und Indien

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Vom Lauf des Lebens: Insgesamt vier Wochen waren Klaus Wilmanns und Silvia Pahl in den Staaten und in Indien unterwegs, um dort bei internationalen Festivals Theater zu spielen – und zwar auf Einladung des Goethe-Instituts.

Immichenhain. Die ersten Schritte machen, auf eigenen Beinen stehen oder in andere Fußstapfen treten – all das erleben Kinder, wenn sie mobil werden. Schritt für Schritt – der Lauf des Lebens: So heißt auch die aktuelle Produktion des Theaters Drei Hasen Oben aus Immichenhain.

Das Stück ist eine poetische Reflexion über Bewegung und Entwicklung und für Menschen ab Zweieinhalb. Zum ersten Mal spielten die Schauspieler Silvia Pahl und Klaus Wilmanns jetzt vor Kindern in den USA und Indien.

Eingeladen worden waren sie zu den internationalen Theaterfestivals vom Goethe-Institut. „Dadurch, dass wir zusammen mit Menschen gearbeitet haben, haben wir die Länder nicht aus der Perspektive des Besuchers oder Tourists kennen gelernt“, sagen beide.

Insgesamt vier Wochen waren die Schauspieler unterwegs: Zwischen den Reisen lagen gerade einmal zwei Tage zuhause in Immichenhain – mit langer Ungewissheit, ob es mit dem Visum für Indien überhaupt klappt. Da lagen immerhin schon zwei Wochen in New York und Washington hinter dem Schauspieler-Ehepaar.

„Allein die Logistik war eine Herausforderung“, erzählt Klaus Wilmanns. Denn während das Bühnenbild für die Produktion in Indien komplett vor Ort nachgebaut wurde, musste ein kleinerer Nachbau für die Staaten angefertigt werden. Die ersten Schritte auf amerikanischen Boden werden die Immichenhainer nie vergessen: „Wir haben nicht erwartet, dass die Menschen so freundlich und offen sind“, sagen beide. Während das Land für seine Filmbranche bekannt sei, stecke das Kindertheater tatsächlich „noch in den Kinderschuhen“. „Kinder besuchen zwar Workshops, dann oft im Bereich Musical“, erklärt Silvia Pahl.

Imponiert habe ihnen aber beiden die Disziplin der Kinder: „Und zwar ganz ohne Drill, dafür freundlich und zugewandt.“ Dass ihr Stück tatsächlich auch ganz ohne Worte funktioniert, quasi universell verständlich ist, habe sich auf wunderbare Weise bestätigt. „Uns wurde immer wieder bestätigt, dass das Spiel ins Herz geht – da ist ein Kontakt, eine Symbiose zu den Kindern auf beiden Kontinenten entstanden“, sagt das Schauspieler-Ehepaar.

Alle Sinne flöten gingen den beiden buchstäblich bei ihrer Ankunft in Indien. Ein unglaublicher Lärmpegel, chaotische Verkehrsbedingungen, Müll und die unvorstellbaren Gegensätze zwischen Arm und Reich beschreiben Pahl und Wilmanns als „irrsinnig anstrengend“. Indien sei für Europäer ein Land der Widersprüche. Noch nie hätten sie so viele Menschen gesehen, die an ihrem Bühnenbild gearbeitet haben. „Dabei bestimmt das Kasten-Denken das gesamte Leben.“

Trotz aller Undurchschaubarkeit sei der Besuch von rührenden, liebevollen Begegnungen geprägt gewesen.

Sowohl in den USA, besonders aber in Indien seien die Menschen dem, was Kunst kann, näher: „Nämlich ein Kunstwerk übers Herz zu verstehen – das fällt uns verkopftem Völkchen schwer“, sagen Silvia Pahl und Klaus Wilmanns.

Geblieben sind nicht nur die Fußspuren, die die Kinder auf langen Papierbahnen hinterlassen haben – sondern auch die Spuren in den Herzen.

Quelle: HNA

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