Jugendliche befassten sich mit jüdischem Leben in Felsberg und Melsungen

Schüler auf Spurensuche

Sie beschäftigten sich mit jüdischem Leben in der Region: von links vorne Tamara Kugler, Kerstin Steube, Münevver Yilmaz, Lara Liebtrau, hinten Julia Hettstedt, Christine Hartlieb, Larissa Panic, Lisa Katharina Lutz, Lisa-Marie Ludwig-Witzel, Irem Aksu, Alina Apel, Ecer Mangtay, Marina Schackow und Aylin Kurar. Foto: Féaux de Lacroix

Melsungen/Felsberg. Was ist eigentlich ein Stolperstein? Bis vor wenigen Monaten konnten die meisten Schülerinnen der Klasse 10F13 an der Melsunger Radko-Stöckl-Schule diese Frage noch nicht beantworten. Jetzt wissen sie nicht nur, was hinter dem Begriff steckt, sondern wollen sogar selbst eine Spendenaktion starten, damit weitere Stolpersteine verlegt werden können.

Auf die Idee gekommen sind die Schülerinnen durch ein Projekt mit dem Titel „Zivilcourage“, das der Bund deutscher Pfadfinder und Pfadfinderinnen Nordhessen (BDP) in Kooperation mit der Radko-Stöckl-Schule organisiert hat. Dabei setzen sich Schüler mit Themen wie Rassismus und Ausgrenzung auseinander. Für dieses Projekt, das von der Initiative „Gewalt geht nicht“ finanziell unterstützt wird“, wurde der BDP jetzt mit dem Förderpreis des Hessischen Jugendrings ausgezeichnet. Unter rund 30 Bewerbern kam das Projekt auf den vierten Platz.

Sammeln für Stolpersteine

Die Schülerinnen der Klasse 10F13 machten sich im Rahmen des Projektes auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in Melsungen und Felsberg. Dabei befassten sie sich auch mit dem Schicksal von Juden, die früher in der Region gelebt haben. „Es ist schrecklich, wie Juden damals behandelt wurden“, sagt die 16-jährige Christine Hartlieb aus Eubach. „Ich bin froh, dass das heute nicht mehr so ist.“

Lara Liebetrau (17) aus Spangenberg war anfangs noch skeptisch: „Ich dachte erst, das ist doch alles schon so lange her – ob das wohl so interessant ist?“ Letztlich fand sie es dann aber doch packend, sich mit dem Schicksal der Felsberger Jüdin Ida Dannenberg auseinanderzusetzen, die von den Nazis in ein Konzentrationslager deportiert wurde und dort starb.

Kerstin Steube (16) aus Malsfeld hingegen fand das Thema Judentum schon vorher spannend. „Aber ich habe jetzt noch viel Neues darüber gelernt, wie es früher war.“

Die Schülerinnen erfuhren auch, wie Juden in der Region früher gelebt haben – so lernten sie etwa die Mikwe in Felsberg kennen, die auf einem Privatgrundstück freigelegt wurde. „In das Bad sind Juden früher gestiegen, um sich zu reinigen – zum Beispiel vor Hochzeiten“, erklärt die 16-jährige Julia Hettstedt aus Bebra.

Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit – Texte und Fotos – haben die Jugendlichen auf Plakaten zusammengefasst.

• Spendenaktion: Die Ergebnisse ihrer Projektarbeit wollen die Schülerinnen der Klasse 10F13 am Donnerstag, 5. Dezember, von der 1. Pause bis etwa 13.30 Uhr, im Internetcafé der Radko-Stöckl-Schule ausstellen. Dort wollen die Schülerinnen auch Spenden für die Verlegung weiterer Stolpersteine sammeln.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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