Essen lockt in die Schule

Schülerhilfe Bolivien bittet um Unterstützung

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Bildung ist ihre Chance: Die Schülerhilfe Bolivien organisiert in der Stadt Potosi eine Schulverpflegung für Kinder – als Anreiz für einen Schulbesuch.

Schwalm-Eder. In Bolivien gilt zwar die Schulpflicht, aber in Städten wie Potosi leben viele Menschen noch immer in bitterer Armut, und die Kinder müssen mithelfen, die Familien über die Runden zu bringen. Eine warme Mahlzeit am Tag, Stifte und Hefte für den Unterricht wirken da wie ein Magnet, um die Kinder doch in Schule zu holen.

Hier setzt die Schülerhilfe Bolivien an, die 1997 von Dr. German Canaviri gegründet wurde. Er stammt aus der Andenstadt und hat viele Jahre im Homberger Krankenhaus als Anästhesist gearbeitet.

Hilfe sei noch immer dringend nötig, die Zahl der Kinder, die Unterstützung brauchen, sei eher noch gestiegen. Aus diesem Grund kann der Verein die Schulverpflegung auch nur noch an drei Tag pro Woche sicherstellen. Früher habe man sich ausschließlich auf die Schule Benicio Montero Mallo konzentriert, die Canaviri 1995 bei einem Besuch in seiner Heimat kennengelernt hatte. Doch das löste Neid bei anderen aus. Inzwischen gibt es ein Rotationssystem.

Für dieses Jahr wurden wieder drei neue Schulen ausgewählt, die Schulen „Antonio Quijarro“, Gonzalo Calerdon Rios“ und „Elizardo Peres“ mit zusammen 410 Schülern. Davon erhalten 210 dreimal wöchentlich warmes Essen und 200 Schulmaterialien. In Potosi wählt Enzo Canaviri, der Neffe von Dr. German Canaviri, die Schulen aus, die besonders dringend unterstützt werden müssten. Neben der Bedürftigkeit der Schüler, die sich aus der Lage der Schule und der Rücksprache mit dem Kollegium ergibt, ist ein weiteres Kriterium die Schülerzahl.

Seit der Gründung des Vereins habe die Schülerhilfe Bolivien 5642 bedürftigen Schüler geholfen, berichten Canaviri und Professor Dr. Herbert Wassmann, der für die Finanzen zuständig ist. Unterstützung gibt es in Deutschland unter anderem vom Rotary-Club Homberg.

Die Mahlzeiten sind für viele Eltern ein wichtiger Anreiz, ihre Kinder in den Unterricht zu schicken. Sonst müssten sie zum Unterhalt der Familien beitragen, beispielsweise als Schuhputzer oder durch die Arbeit in den Minen des Cerro Rico (Hintergrund) Eine bessere Bildung könnte der Weg aus der Armut sein.

Die Hilfe aus Deutschland stößt in Bolivien auf große Dankbarkeit. Presse und Fernsehen berichten intensiv über die Arbeit. Die Schulen haben sich auch in Briefen bei der Deutsche Botschaft in La Paz überschwänglich bedankt.

Kolonialzeit wirkt nach

Die Stadt Potosi (200.000 Einwohner) liegt auf 4000 Meter Höhe. Wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung wird sie von der Unesco als „Natur-Kulturerbe der Menschheit“ geschützt. Anlass zur Gründung der Stadt waren die Silbervokommen am Berg Cerro Rico (reicher Berg), die die spanischen Kolonialherren brutal ausbeuten ließen. 1610 galt Potosi als eine der reichsten Städte der Erde. Die Silberausbeute betrug etwa 80 000 Tonnen. Von dem Reichtum profitierten die Minenarbeiter nicht.

Heute gibt es nur noch Spuren von Silber, aber auch andere Erze, die unter Gefahren und schwierigsten Bedingungen – auch von Kindern – abgebaut werden.

Von Heinz Rohde

Spenden

Um diese humanitäre Hilfe fortzusetzen zu können, ist der Verein kontinuierlich auf Zuwendungen angewiesen: Spendenkonto:

DE64 52052154 008000433 bei der Kreissparkasse Schwalm-Eder, Stichwort Schülerhilfe Bolivien.

Quelle: HNA

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