Prozess gegen 48-Jährigen mit paranoider Störung – Mann fühlt sich belästigt

Schüsse auf den Nachbarn

Gilserberg/ Marburg. Vor dem Marburger Landgericht ist der Prozess gegen einen 48-Jährigen aus Gilserberg fortgesetzt worden. Er war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, die er nach Auffassung des Gerichts im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen haben soll. In Folge eines Streits hatte der Mann im Januar 2010 seinen Nachbarn mit einer Gaspistole aus nächster Nähe zweimal angeschossen.

Durch die Attacke hatte der Nachbar so erhebliche Verletzungen im Gesicht und an den Augen erlitten, dass Langzeitfolgen zu erwarten sind. Dem ersten Prozesstermin im November war der Angeklagte ohne Entschuldigung ferngeblieben, sodass der Richter die vorläufige Unterbringung des Mannes in einer geschlossenen Anstalt verfügt hatte.

Aus dieser wurde der 48-jährige am Freitag vorgeführt. Er leidet nach Auffassung des Gerichts an einer paranoiden Persönlichkeitsstörung, auf Grund derer seine Einsichts- und Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt stark vermindert war. Weil nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Gefahr besteht, dass der Mann weitere Straftaten begeht, hatte sie die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt beantragt.

Schon länger war es zu Streitereien zwischen dem Angeklagten und seinen Nachbarn gekommen, weil der Beschuldigte sich von ihnen belästigt fühlte. Regelmäßig griff er zum Fotoapparat, um die Geschehnisse auf und rund um sein Grundstück zu dokumentieren.

„Die ganze Nachbarschaft hatte sich gegen mich gestellt. Man hat sogar mit Steinen nach mir geworfen“, berichtete er bei seiner Vernehmung vor Gericht. Den Tathergang schilderte er detailliert: Er sei an diesem Januartag wieder mit seiner Kamera unterwegs gewesen, weil Schnee auf sein Grundstück geschaufelt worden sei. Er habe vom Nachbargrundstück einen „Angriffsschrei“ gehört und bemerkt, dass der Nachbar auf ihn zulief. Er sei schnell in sein Haus gelaufen und habe die Haustür hinter sich zugeschlagen.

Dann sei ihm aufgefallen, dass der Schlüssel von außen in der Tür steckte. Mit diesem habe der Nachbar die Tür aufgeschlossen und sei, obwohl der 48-Jährige die Tür zugehalten habe, in das Haus eingedrungen. Daraufhin habe er zur Gaspistole gegriffen, die seit Silvester auf einer Ablage im Flur gelegen habe. Zweimal habe er durch die halb geöffnete Tür geschossen.

Dem widersprach der Geschädigte. Er sei dem Nachbarn nur langsam nachgegangen, um ihn zur Rede zu stellen. Doch dann habe der Angeklagte die Tür geöffnet und auf ihn geschossen. „Hätte ich keine Brille getragen, wäre ich jetzt blind“, sagte der Nachbar.

Der psychiatrische Gutachter nannte den Angeklagten einen intelligenten Menschen, der aber nicht erkennen könne, welchen Anteil er an dem Streit habe. Der Gutachter schlug dem Gericht vor, eine ambulante Betreuung des 48-jährigen einer dauerhafte Unterbringung in einer Anstalt vorzuziehen.

Der Angeklagte sagte, dass er sich beruflich umorientieren wolle. Sein Haus werde er nicht mehr betreten. Er wolle es verkaufen und nach Frankfurt umziehen.

Der Prozess wurde auf den 18. März vertagt.

Quelle: HNA

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