Haftstrafen auf Bewährung für drei Männer wegen gefährlicher Körperverletzung

Schuld begleitet ein Leben lang

Marburg/Stadtallendorf. Für eine gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung, die einen 31-jährigen Stadtallendorfer das Licht des linken Auges gekostet hatte, in Tateinheit mit der Beteiligung an einer Schlägerei, verurteilte das Marburger Schöffengericht die drei Angeklagten nach drei langen Verhandlungstagen (wir berichteten) zu Gefängnisstrafen.

Ein 24-jähriger Mechaniker aus Neustadt erhielt ein Jahr und sechs Monate, ein 32-jähriger Lkw-Fahrer aus Stadtallendorf ein Jahr und zehn Monate Gefängnis. Der dritte Tatbeteiligte, bei dem als zum Tatzeitpunkt 20-jähriger Heranwachsender Jugendstrafrecht angewandt wurde, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Alle Gefängnisstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem müssen zwei der Verurteilten zusammengenommen 2600 Euro Wiedergutmachung an den Geschädigten zahlen.

Brutales Vorgehen

Der mittlerweile arbeitslose Lkw-Fahrer muss zudem 100 Sozialstunden ableisten. Mitentscheidend für das Urteil wertete das Gericht die Brutalität des Vorgehens und die Folgen der Verletzungen. Zu der Tat im März 2010 wurden über 20 Zeugen gehört. Wer letztlich den entscheidenden Schlag oder Stoß geführt hatte, der dem Geschädigten das Licht eines Auges kostete, konnte das Gericht nicht feststellen.

„Es wurde gelogen, dass sich die Balken bogen. Nicht alles was die Zeugen gesehen haben, wurde auch gesagt“, ärgerte sich Richter Cai-Adrian Boesken.

Einmal war es ein Glas-aschenbecher, dann eine halbvolle Wodkaflasche oder in einer dritten Version ein Barhocker, mit welchem der Schlag geführt wurde.

Letztendlich wurde das Trio zu einer gemeinschaftlich ausgeführten Körperverletzung verurteilt.

Mehrere Zeugen hatten von Schlägen oder Tritten berichtet und eine Tatbeteiligung aller drei Angeklagten bezeugt. Und das reichte dem Gericht für den Nachweis der Beteiligung an einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung. „Eines ist sicher. Sie alle drei haben mitgemacht. Einer von Ihnen war es. Und er weiß es. Und seine Schuld wird den, der die schwere Verletzung verursacht hat, ein Leben lang begleiten“, stellte Richter Boesken in der Urteilsbegründung fest.

Freispruch beantragt

Mit Unverständnis reagierte der Richter auf zwei von den Verteidigern beantragte Freisprüche, die eine Tatbeteiligung ihrer Mandanten nicht als bewiesen sahen, ebenso wie für den von der Jugendgerichtshilfe vorgeschlagenen Freizeitarrest für den Heranwachsenden. Eine Notwehrlage bei den Angeklagten, die der Geschädigten durch eine Provokation hervorgerufen habe, sah das Gericht keinesfalls.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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