Landesregierung will an der „Verlässlichen Schule“ sparen

Schulen: Weniger Geld für Vertretungslehrer

Schwalm-Eder. An hessischen Schulen rumort es: Das Kultusministerium plant Einsparungen bei Vertretungslehrern. Statt 1000 Euro pro voller Stelle, wie sie bis 2008 den Schulen zugeteilt worden waren, soll es im neuen Jahr nur noch 630 Euro geben.

Der Grund: Wie andere Ministerien soll auch das Kultusministerium sparen und in diesem Jahr mit 45 Millionen Euro weniger auskommen. Einen Großteil davon, nämlich 9,3 Millionen, will Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) im Programm „Verlässliche Schule“ (VS) einsparen, das vor allem der Finanzierung der Vertretungslehrer dient.

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Das Ministerium begründet die Kürzung unter anderem damit, dass das Budget in den vergangenen Jahren nie ausgeschöpft worden sei. Dies wird beim Staatlichen Schulamt in Fritzlar bestätigt: So seien im Vorjahr von verfügbaren 787.000 Euro für die Schulen im Schwalm-Eder-Kreis nur 567.000 Euro für Vertretungsunterricht verwendet worden.

Selbstständige Schule ist das Ziel

Aus seiner umstrittenen Unterrichtsgarantie „U plus“ hat das Land vor einigen Jahren das Programm „Verlässliche Schule“ entwickelt. Die Schulen haben ein festes Budget für Vertretungsunterricht - 1000 Euro pro Lehrerstelle - und können dafür selbst Personal einstellen. Das sind oft Lehrer im Ruhestand, Referendare und Studenten. Die Bezahlung richtet sich nach der Qualifikation. Der nächste Schritt soll die selbständige Schule mit einem eigenen „großen Budget“ sein, aus dem sie heraus Personal- und Sachkosten autonom bestreitet. Der Weg dorthin führt über das „kleine Budget“. Dieses können Schulen für das Jahr 2011 noch bis Februar beantragen.

Schulamtsleiterin Waltraud Credé weist darauf hin, dass Schulen 2011 die Möglichkeit haben, das so genannte „kleine Budget“ zu beantragen. Damit hätten sie die Möglichkeit, andere Haushaltstitel anzuzapfen, wenn das zugewiesene Geld für Vertretungsstunden nicht ausreicht. „Die einzelnen Schulen haben damit mehr Gestaltungsmöglichkeiten als zuvor“, sagt Credé.  Ohnehin kamen zuletzt nur 85 Prozent des 1000-Euro-Satzes zur Verteilung, erläutert Holger Stieghorst, Controller beim Schulamt. Das restliche Geld floss in einen Solidaritätsfonds für Schulen mit besonderem Vertretungsbedarf. Für 2011 stünden aber auch mit dem reduzierten Satz noch 47.000 Euro mehr zur Verfügung, als die Schulen im Vorjahr tatsächlich verbraucht hätten.

Manche Schulen sehen die Sache indessen anders. Der finanzielle Spielraum sei so eng geworden, dass die Verlässlichkeit des Unterrichts in Frage gestellt werde, meint etwa Dr. Dieter Vaupel, Leiter der Felsberger Drei-Burgen-Schule. (geh/asz)

Quelle: HNA

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