Schulverweigerer vor Gericht: Familie Schaum unterrichtet ihre Kinder selbst

Schwalm-Eder. Marit und Thomas Schaum aus Hülsa stehen vor Gericht, weil sie ihre Kinder selbst unterrichten. Mit großem Erfolg zwar, aber gesetzeswidrig. Schon mehrfach mussten sie Geldbußen zahlen, im schlimmsten Fall droht ihnen jetzt eine Haftstrafe.

Im Januar müssen sich die Eltern vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, gegen das Hessische Schulgesetz zu verstoßen. Zum wiederholten Mal. Denn drei der neun Kinder absolvieren bereits mit Erfolg Ausbildungen. Bisher sind die Schaums immer mit Geldstrafen davon gekommen. Aber das Gesetz sieht Haftstrafen vor. Dies zeigt der Fall der Familie Dudek (Hintergrundbox).

Die Gründe, warum Eltern ihre Kinder nicht in einer öffentlichen Schule unterrichten lassen wollen, sind verschieden. Schulen seien zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet, sagt Thomas Schaum. Das sei auch gut so, aber eben nicht mit den Inhalten ihrer Erziehung in Einklang zu bringen. Auch eine christliche Schule stehe nicht für die Glaubensätze, die sie ihren Kindern vermitteln möchten.

Thomas und Marit Schaum haben neun Kinder:

• Debora, 22 Jahre, Ausbildung zur Verwaltungsfachwirtin

• Johannes, 20 Jahre, Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker

• Nathanael, 18 Jahre, Industriemechaniker

• Damaris, 16 Jahre, Realschulabschluss mit sehr gut

• Lydia, 14 Jahre

• Jael, 12 Jahre

• Elisabeth, 10 Jahre

• Maria, 7 Jahre

• Anna, zwei Wochen.

„Wir können unsere Kinder nicht dubiosen Menschen an die Hand geben. Dort wird unseren Kindern etwas ganz anderes beigebracht, als wir es wollen“, sagt Schaum. Als Beispiel nennt er die Abtreibung: Seiner Auffassung nach ist ein Mörder, wer ein Kind im Mutterleib tötet. „Mörder bekommen ihre Strafe, wenn nicht hier, dann im Jenseits. Unser Glaube hat eine Relevanz für uns im Diesseits.“ Man könne Menschen mit fragwürdigen Einstellungen nicht seine Kinder anvertrauen. „Unsere Kinder werden im Sinne des Neuen Testaments sicher eher streng erzogen. Manche würden uns vielleicht sogar fundamental nennen“, sagt Schaum.

Aber es sei ihnen wichtig, die Kinder optimal auf das Leben vorzubereiten. Es gehe nicht um eine religiöse Isolation. Die Kinder hätten selbstverständlich Freunde im Ort. Außerfamiliäre Aktivitäten würden gepflegt, aber eben mit Bedacht.

Unterrichtet werden die Kinder zu Hause. Das Homeschooling sei pädagogisch und didaktisch gut für die Kinder. Sie lernten früh, sich Stoff selbst zu erarbeiten und die Lerngruppe sei überschaubar klein. Meist unterrichte seine Frau, eine Krankenschwester, die Kinder. Der Stoff richtet sich immer nach dem Lernplan. Dabei werde aber die Schöpfungsgeschichte zugrundegelegt. „Das Bildungskonzept der Homeschooler ist nicht weltfremd, sondern effizient. Homeschooler schneiden meist besser ab als andere Schüler“, sagt Thomas Schaum. Die Eltern bekommen Kindergeld, lehnen aber sonst Geld vom Staat ab. Sie sind Selbstversorger und Thomas Schaum, Studienabbrecher und Handwerker, verdient Geld mit Hausmeistertätigkeiten dazu.

Haftstrafe nur im Ausnahmefall

 In Deutschland besteht eine Schulpflicht. Das heißt, Kinder müssen an deutschen Schulen unterrichtet werden. Das Gesetz stammt aus dem Jahr 1938. Wer dagegen wiederholt oder dauerhaft verstößt, macht sich strafbar.

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„Vor dem Gesetz ist jeder gleich“, sagt Kerstin Nedwed, Sprecherin der Kasseler Staatsanwaltschaft. Es sei nicht der richtige Weg, über Straftaten eine Änderung der Gesetze herbeizuführen. Aber auch wenn man Verständnis für einen Angeklagten habe, sei man als Staatsanwalt immer den Gesetzen verpflichtet. Alles andere widerspräche dem Berufsstand. Es gebe aber Ermessensspielräume. Eine Haftstrafe werde nur in absoluten Ausnahmefällen verhängt. (ddd)

Quelle: HNA

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