Diskussion über Agrarpolitik: Schutz des Bodens als Ziel

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Diskussionsabend: Hauptredner war Dr. Georg Häusler (2. von links, Kabinett-Chef des EU-Agrarministers). Ganz links Dr. Bernd Wenck (Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Schwalm-Eder), neben Häusler: Friedhelm Schneider (Präsident des Hessischen Bauernverbandes), Dr. Hans-Hermann Harpain (stellvertretender Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes) und Reiner Kehl (stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Schwalm-Eder)

Schwalm-Eder. Der verstärkte Schutz des Bodens und des Grundwassers und mehr Pflanzenvielfalt ist ein Baustein der nächsten Agrarreform, die in den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ab 2014 gilt.

Damit hat sie auch Auswirkungen auf die Landwirte im Schwalm-Eder-Kreis. Diese hätten zwar beim Informationsabend gerne Genaueres gewusst, doch Dr. Georg Häusler, Kabinett-Chef des EU-Agrarkommissars, konnte damit nicht dienen.

Noch sei die Reform nicht beschlossen, vielmehr lägen 8000 Änderungsanträge vor, sagte der aus Österreich stammende Häusler im Gasthaus Jägerhof in Malsfeld. Etwa 100 Landwirte hatten sich dort am Dienstagabend eingefunden.

Probleme mit Nitrat

Greening nennt sich der Teil der Reform, bei der es um Boden und Wasser geht. 50 Prozent der EU-Böden seien nachhaltig geschädigt, es gebe Probleme mit Nitrat und beim Grundwasser, sagte Häusler. So sollen sieben Prozent der Böden als ökologische Rückzugsflächen ausgewiesen werden. „Das ist aber keine Flächenstilllegung“, betonte der Kabinett-Chef. Es gebe (noch) keine Liste der Pflanzen, die dort angebaut werden dürfen.

Es werde anerkannt, wenn ein Landwirt bereits Flächen aus der Produktion genommen hat oder wenn sich ein Betrieb schon anderen Agrar-Unweltmaßnahmen unterworfen hat. Auch gemeindeeigene Flächen, etwa Biotope, würden berücksichtigt.

Ausgenommen vom Greening würden auch Betriebe mit einem sehr hohen Grünlandanteil und sehr kleine Betriebe. Zahlen konnte Häusler nicht nennen.

Mehr als Produktion

Er machte aber deutlich, dass Landwirtschaft mehr leisten müsse als Produktion. Sie sei auch zuständig für Umwelt, habe hohe ethische Ansprüche zu erfüllen und arbeite hier ohne Gentechnik.

Die Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete waren ein weiterer Schwerpunkt des Informationsabends. Laut Häusler gibt es in der EU 150 verschiedene Definitionen, die nichts miteinander zu tun haben: „Jedes Land definiert das anders.“ So bezeichneten manche Staaten bis zu 100 Prozent der Gebiete als benachteiligt, so dass alle Betriebe Geld erhalten. „Das geht nicht, da ist die EU im Zugzwang.“

Von Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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