Landwirte machen tatkräftig mit

Schutz für das Brutgebiet, damit der Wachtelkönig in der Schwalm bleibt 

Wollen dem Wachtelkönig unter die Flügel greifen: (von links) Stefan Ebener, Dr. Wulf Rheinwald, Sigrun Keim, Heinrich Heinmöller, Jürgen Holland-Letz, Ralph Jungermann und Heinz Stübing. Foto: Decker

Schwalmstadt. Für ein offizielles Dankeschön lud der Arbeitskreis Schwalm-Eder der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz mehrere Landwirte auf die Schwalmwiesen ein, da nur durch ihre Mithilfe der seltene Wachtelkönig dort in Ruhe seine Nachkommenschaft ausbrüten und aufziehen kann.

Zwei Landwirte waren gekommen und ließen sich in allen Einzelheiten berichten, warum sie ihre Wiesen im Rückhaltebecken derzeit nicht mähen sollen. Die Vorgeschichte begann bereits Mitte Mai: Jede Nacht gegen 22 Uhr packten fünf Vogelschützer ihre sieben Sachen und spitzten stundenlang die Ohren. Es galt, den speziellen Ruf des Wachtelkönigs zu erlauschen.

Den ersten Ruf vernahmen die Männer am 20. Mai, in den nächsten zwei Wochen gelang es ihnen, acht unterschiedliche Wachtelkönige anhand ihrer Rufe in der Schwalmaue und am Leimbach zu identifizieren.

Nun galt es, schnell zu reagieren, um das Brutgebiet der seltenen Vögel zu schützen. „Hier besteht immer ein Interessenkonflikt“, führt Jürgen Holland-Letz vom Arbeitskreis aus. Der Wachtelkönig benötige hoch stehendes Gras, da er auf dem Boden brüte und kein sehr guter Flieger sei, und die Landwirte brauchten das Gras als Futter für die eigenen Tiere. Holland-Letz informierte Sigrun Keim von der Unteren Naturschutzbehörde.

„Ohne das Engagement der Ehrenamtlichen könnte ich die Vögel nicht schützen“, betont Keim, denn sie allein könne das Vorkommen der seltenen Tierart nicht feststellen. Keim nahm Kontakt mit den Landwirten, dessen Wiesen sich der Wachtelkönig ausgesucht hatte, auf. „Wäre ich zwei Tage später angerufen worden, wäre es zu spät gewesen“, berichtet Heinrich Heinmöller, einer der Landwirte.

Nicht nur an Profit denken

„Ich war erst sehr überrascht, aber natürlich bereit, diese seltenen Vögel zu schützen“, so Heinmöller, „schließlich arbeiten wir in der Landwirtschaft mit Tieren nicht nur aus Profitdenken.“

Er verzichtete auf die bereits geplante Mahd. Die Landwirte werden zwar vom Land Hessen finanziell entschädigt, müssen sich jetzt aber Gedanken machen, wie sie das fehlende Futter ausgleichen. „Ich werde für meine Mutterkühe und Bullen das fehlende Gras wohl mit Mais ersetzen“, sagt Ralph Jungermann, Landwirt in Treysa, und Heinmöller hofft, dass er das Futter für seine Milchkühe betriebsintern ausgleichen kann.

Letzte Mahd verschieben

Holland-Letz ist den Landwirten sehr dankbar, gerade auch weil sich wohl in diesem Jahr die letzte Mahd noch nach hinten verschieben wird. „Durch das Hochwasser der letzten Tage sind die Gelege sicher alle abgesoffen“, meint Vogelschützer Heinz Stübing. „Die Vögel werden jetzt eine Zweitbrut beginnen, drei Wochen brüten und danach noch ungefähr 30 Tage die Jungvögel führen“, erläutert Stübing.

Es werde also eher Mitte September als Ende August, bis wieder gemäht werden könne. „Mähen sie früher, werden den Jungvögeln die Köpfe abrasiert, da sie dann noch nicht wegfliegen können“, verdeutlicht Stübing die Konsequenzen. 

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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