Diavortrag

Zeitreise durch die Heimat der Grimms: Schwälmer vor der Linse

Zog mit seiner Herde über die Weiden in der Schwalm: Schäfer Willi Lesch aus Ziegenhain war für Fotograf Olaf Plotz vor 20 Jahren ein typisches Motiv aus der Region. Foto: Plotz/nh

Willingshausen. Auf fotografische Zeitreise gingen am Montagabend knapp 60 Zuschauer im Gerhardt-von-Reutern-Haus in Willingshausen: Traugott Heil und Werner Thuleweit hatten unter diesem Motto einen Diavortrag zusammen gestellt.

Sie zeigten Fotografien des Völkerkundlers und Fotografen Dr. Andreas Scheller aus den 1940er-Jahren sowie des Hamburger Fotografen Olaf Plotz, der in den 1990er-Jahren auf motivische Spurensuche in der Schwalm ging.

Dokumentiert wurde nicht nur der Alltag der Menschen, sondern auch auf imposante Weise die Heimat der Brüder Grimm. Die Einzigartigkeit der Landschaft attestierte auch Dr. Bernhard Lauer, Leiter des Brüder-Grimm-Museums in Kassel: „Dank Malern wie Ludwig Emil Grimm, Gerhadt von Reutern und der Entstehung der Malerkolonie ergibt sich für die Schwalm die glückliche Lage einer nahezu lückenlosen Darstellung der Region.“

Malerische Schätze wie etwa jene von Reuterns könne man unter anderem in Sankt Petersburg entdecken. In der Eremitage seien viele Werke des Künstlers katalogisiert worden, verdeutlichte Lauer. Den Wert der Landschaft hätten glücklicherweise auch später immer wieder Fotografen für sich entdeckt.

Besonders reizvoll für die Zuschauer war der Diavortrag, weil die Fotos den Wandel der Region eindrucksvoll abbildeten: Den ursprünglichen Lauf der Schwalm bei Holzburg, eine Aufnahme des Schäfers Dirlam aus Schrecksbach, Schäfer Lesch aus Ziegenhain mit seiner Herde auf den Weiden rund um den Staudamm.

Sonntags nach draußen

Freuen sich auf das Grimm-Jahr: Dr. Bernhard Lauer, Heinrich Vesper, Werner Thuleweit und Traugott Heil (von links). Foto: Rose

Neben den Menschen hielten die Fotografen auch Natur- und Baudenkmäler fest, etwa die Grabsteine auf dem Schönberg, das Willingshäuser Schloss, die Fachwerkhäuser. Die über 70 Jahre alten Aufnahmen Schellers wurden teilweise aufwendig und von Hand nachkoloriert. Sie erzählen vom Alltag der Schwälmer: „Als sonntags der Eiswagen in die Dörfer kam und die jungen Frauen in schmucker Schwälmer Tracht für die Erfrischung anstanden“, erklärte Heil. Sonntags ging man in der Schwalm nach draußen - „Fernsehen gab es noch nicht“ - gern auch auf den Sportplatz.

Bei Trachtenfesten ließen sich imposante Aufnahmen einfangen. Auch das Handwerk fand eine Abbildung: Etwa in Korbflechter Metz aus Salmshausen oder Schuster Kalbfleisch.

Der spannende Bilderreigen endete mit eindringlichen Fotos von der Ziegenhainer Salatkirmes aus den 1950er-Jahren, unterlegt mit einer Klavierinterpretation des Schwälmer Tanzes der Ziegenhainer Pianistin Roswitha Aulenkamp. Traugott Heil wird den Diavortrag auf Wunsch ein weiteres Mal in Willingshausen präsentieren.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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