Museum würdigt Künstler im Jubiläumsjahr in einer Ausstellung

100 Jahre Maler in der Schwalm: Als die Schwälmer Modell saßen

Rundgang: Wolfgang Rupp, Carsten Koch und Ariane von Baumbach (von links) ließen sich die Werke von Johannes Prinz zeigen. Foto: Rose

Ziegenhain. 100 Jahre Museum der Schwalm. 100 Jahre Maler in der Schwalm: Diesen Titel trägt eine Ausstellung im Museum der Schwalm, die am Mittwochabend vor viel Publikum eröffnet wurde. Kurator der Bilderschau ist Johannes Prinz, er hielt die Einführung.

Wolfgang Rupp, Vorsitzender des Schwälmer Heimatbundes, war besonders stolz, dass alle 52 Exponate, darunter fünf Bantzer-Originale, aus dem eigenen Bestand des Museums stammen. „Die Ausstellung kann bei der Vielzahl der Maler jedoch nicht den Anspruch erheben, alle Künstler bis in die Neuzeit erfasst zu haben“, erläuterte Prinz.

Die Ausstellung soll einen würdigen Schlusspunkt hinter das von Umbauarbeiten geprägte Jubiläumsjahr des Museums setzen. Und das dürfte mit der Auswahl des Kurators auch gelingen.

Die Geschichtsschreibung begann sich erst im ausgehenden 19. Jahrhundert für die Malerei in Nord- und Osthessen zu interessieren: „Die Malerkolonie selbst war bereits wieder im Niedergang begriffen“, erklärte Prinz. Dabei begann die Maltätigkeit schon um 1814 mit Gerhardt von Reutern, der sich in seiner Genesungszeit dem Zeichnen widmete und Land und Leute studierte. „Die Schwalm wurde bei Künstlern der Düsseldorfer Akademie wie Dielmann, Becker und Knaus bekannt“, verdeutlichte Prinz.

Goldmedaille in Paris

In der Folgezeit kamen Maler teilweise auch mit ihren Schülern nach Willingshausen. „An erster Stelle muss Prof. Carl Bantzer genannt werden.“ Die Schwälmer selbst reagierten unterschiedlich: „Die älteren Dorfbewohner und Kinder ließen sich gern malen, allein schon wegen des Modellgeldes. An die reichen Bauern kamen die Maler nur selten heran“, erklärte Prinz. Im Jahr 1900 wurde Willingshausen weltweit bekannt. Adolf Lins bekam auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille für sein Gänsebild.

Die folgende Malgeneration brachte einen Wandel. „Es lassen sich impressionistische Züge erkennen“, sagte der Kurator. 1904 nahm Bantzer an der Weltausstellung teil. Einige Arbeiten fanden so ihren Weg in amerikanische Kunstsammlungen. Der Erste Weltkrieg stellte einen Einschnitt dar. Einige Künstler blieben dem Studienort bis zum Zweiten Weltkrieg treu. „Mit dem Tod Bantzers 1941 war auch das Ende der Künstlerkolonie gekommen“, erklärte Prinz.

Informatives Faltblatt

Vereinzelt knüpften Künstler an die Tradition an: unter anderem Henner Knauf, Vincent Burek, Günter Heinemann sowie ein junger Künstler, der Willingshäuser Künstlerstipendiat Michael Lampe. Er ist mit einem Schwälmer Brautstuhl in der Ausstellung vertreten. Der Geschichtsschreibung sei es zu verdanken, dass die Schwalm „als Kunstlandschaft“ nicht in Vergessenheit geriet. Passend zur Ausstellung ist ein Faltblatt mit einem Verzeichnis der Werke und Kurzbiografien der Maler erhältlich.

Nicht in Vergessenheit geriet auch die passende Musik: Pianistin Roswitha Aulenkamp und Tenor Theodor Hoffmeyer bezauberten die Gäste mit dem „Barbier von Sevilla“ aus Rossinis gleichnamiger Oper, einer spannenden Interpretation von Schwälmer Tänzen und zwei italienischen Canzonen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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