Schwälmer sind  Originale: Museumsgespräch mit Petra Nagel

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Musik, Mundart und Moderne: Darüber sprach Petra Nagel mit Walter Friedrich, Helmut Schaub (von rechts) und Stefan Völker (Mitte). Mit dabei waren auch die Schwälmer Jungs. 

Ziegenhain. Walter Friedrich kann schwälmisch schwatzen, Stefan Völker schwälmisch Wurst machen und Helmut Schaub kennt sich mit der Schwälmer Tracht aus: Nicht nur die Kasseler Journalistin Petra Nagel hat am Donnerstagabend im Museum der Schwalm noch jede Menge dazu gelernt.

Auch die 100 Gäste der neunten Schwälmer Museumsgespräche dürften sich bestens unterhalten gefühlt haben. Der heiter-amüsante Abend stand unter dem Motto „Schwälmer Originale“ – und die plauderten frei von der Leber weg. Die Schwälmer Jungs sorgten für Musik.

Helmut Schaub erzählte von der Blaskapelle Wiera, die sich 1975 gründete und überwiegend Böhmische Blasmusik spielt – häufig in Schwälmer Tracht. „Dabei tragen wir die roten Westen für Unverheiratete. Die sehen einfach besser aus.“ Nachwuchssorgen habe die Kapelle nicht: „Wir haben in Wiera einen starken Posaunenchor“, erklärte Schaub.

Nicht nur mit Musik, auch mit Tracht kennt sich der Wieraer aus. Vieles sei verloren gegangen, insbesondere Mobiliar. Aber mehr und mehr pflegten auch jüngere Leute die Schwälmer Bräuche: „Ich wünsche mir, dass Tradition erhalten bleibt.“ Für den Spagat zwischen Tradition und Moderne stand Metzgermeister Stefan Völker.

Der Zellaer mit eigenem Betrieb liebt die Schwalm, schnupperte aber sechs Jahre lang Kasseler Luft – beim Studium der Wirtschaftswissenschaften. „Montagvormittag lag keine Vorlesung, da musste ich erstmal schlachten“, erzählt Völker. Wie er denn zum Posten des Ortsvorstehers gekommen sei, wollte Nagel wissen: „Man muss einfach immer Ja sagen“, war seine spontane Antwort. Nagel attestierte ihm: „So kann man Kanzler werden.“

Völker engagiert sich auch politisch. Dazu sagte er: „Man ist immer nur auf Zeit gewählt. Und da es sowieso zu viele Berufspolitiker gibt, bringe ich lieber meinen Betrieb voran.“ Völker sorgte für eine deftige Schwälmer Pause – mit Ahler Wurscht und Bauernbrot. Walter Friedrich aus Zella machte deutlich, dass Schwälmisch – „so heißt das nämlich richtig“ – eine Wissenschaft für sich sei. Der Vorsitzende des Sängerchores Zella und leidenschaftliche Mundart-Theaterspieler stellte klar: „Das lebendigste an der Schwalm ist die Sprache.“ Deshalb werde der Dialekt in Kursen in Zella weiter gegeben. Ziel sei, ein Wörterbuch zu erstellen. (zsr)

Quelle: HNA

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