Mit Freude an der Musik

Schwälmerin Elisabeth Wiegand feiert Sonntag ihren 100. Geburtstag

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Fröhliche Jubilarin: Elisabeth Wiegand liebt Natur und Musik. Am Sonntag feiert die Treysaerin ihren 100. Geburtstag.

Treysa. Elisabeth Wiegand hat sich ihre Fröhlichkeit bewahrt. Im Chor sei sie nie gewesen, aber sie liebe Musik und singe sehr gern, erzählt die Treysaerin vergnügt. Volksmusik und alte Schlager haben es ihr angetan.

Ihre Mutter erinnere jede Melodie und kenne jeden Text, sagt Tochter Friedelore Lauscher, die sich oft gemeinsam mit der Mutter deren Hobby widmet.

Bewegtes Leben

Am Sonntag feiert Elisabeth Wiegand ihren 100. Geburtstag. Sie erinnert sich an ein bewegtes Leben. Geboren und aufgewachsen mit vier Geschwistern sei sie in Willingshausen, erzählt die Schwälmerin. Schwälmer Tracht habe sie nicht getragen, fügt sie hinzu.

Im Alter von 13 Jahren sei sie nach Berlin gegangen, um dort in einem jüdischen Waisenhaus als Haushaltshilfe zu arbeiten. Der Kontakt sei durch ihren Stiefvater zustande gekommen, der Berliner war. Ein Jahr lang sei sie in Berlin gewesen.

Nach einem Besuch der Eltern hätten diese sie wieder zurück nach Hause geholt. "Ich hatte großes Heimweh", sagt Elisabeth Wiegand. Als Haushaltshilfe habe sie später auch in Kassel und im Rheinland gearbeitet.

Mit Schrecken erinnert sich die Treysaerin an die Zeit des Nationalsozialismus. Aufgrund ihrer Kontakte und ihres freundschaftlichen Verhältnisses zu jüdischen Mitbürgern sei sie oft angefeindet worden. Brüder und Ehemann verlor sie durch den Krieg. Auch ihren Vater hatte sie früh verloren. Er fiel im Ersten Weltkrieg.

Ihre Mutter habe sich und die vier Kinder mit ihrem Garten durchgebracht, sagt Elisabeth Wiegands jüngstes Kind, Tochter Friedelore aus Treysa, die sich an eine glückliche Kindheit erinnert. Der Garten sei für ihre Mutter auch ein Rückzugsort gewesen, ein Ort, an dem sie Ruhe und Erholung suchte.

Die Jubilarin selbst strahlt, während sie von ihrem Garten berichtet. An Obst und Gemüse habe sie nahezu alles angebaut. Auch Blumen liebe sie sehr. Viele Jahre lang hat Elisabeth Wiegand Zeitungen ausgetragen.

Zehn Jahre lang lieferte sie den Schwalm-Boten per Fahrrad an die Austräger nach Rommershausen, Dittershausen, Allendorf/L. und Rörshain, in den Ferien sogar bis nach Linsingen. "Bei Wind und Wetter", wie sie betont. Ihr Interesse am alltäglichen Geschehen ist geblieben. Gerne lässt sie sich aus der Zeitung vorlesen. "Man kann sich mit ihr noch richtig über Sachen unterhalten", sagt Tochter Friedelore. Das sei toll.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages freut sich Elisabeth Wiegand auf Grüße ihrer Familie, darunter acht Enkel, acht Urenkel und zwei Ururenkelinnen. Einen Wunsch hat sie: "Gesundheit, das ist die Hauptsache", sagt sie und lächelt.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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