Datenschutzbedenken

Ärzte kritisieren neue Gesundheitskarte

Schwalm-Eder. Immer mehr Haushalte erhalten derzeit die elektronische Gesundheitskarte, denn bereits seit Monaten schreiben Krankenkassen ihre Versicherten an und verlangen Passbilder von ihnen. Ärzte und Datenschützer fürchten, dass die Karten unsicher sein könnten.

Die Passbilder werden für die Einführung der neuen Karte benötigt. Gedroht wird dabei zwischen den Zeilen: Wer die neue Versichertenkarte nicht hat, der wird von seinem Arzt bald nicht mehr behandelt werden, heißt es.

„Damit werden die Patienten fast genötigt. Wer seine Beiträge zahlt, hat auch unabhängig von der elektronischen Karte Versicherungsschutz und wird behandelt“, sagt Dr. Stefan Pollmächer aus Bad Zwesten. „Das ist Panikmache.“

Grund dafür sei, dass den Kassen empfindliche Sanktionen drohen, wenn sie bis Ende des Jahres nicht mindestens 70 Prozent der gesetzlich versicherten Patienten mit der Karte ausstatten.

„In der Regel sind die Reaktionen positiv“, sagt Sandra Kater, Leiterin der DAK Schwalm-Eder. „Wir haben überhaupt keine Probleme mit der neuen Karte“, erklärt Stephan Gill, Pressesprecher der AOK Hessen. Die Karte treffe in der Bevölkerung nicht auf Widerstand.

Ärzte, IT-Experten und manche Datenschützer befürchten dagegen, dass die elektronische Gesundheitskarte unsicher sein könnte. Die medizinischen Behandlungsdaten hätten außerhalb der Praxis nichts verloren, denn die zentrale Speicherung der äußerst wertvollen und persönlichen Daten im Internet zerstöre unweigerlich die Privatsphäre der Patienten. „Das ist das Ende der ärztlichen Schweigepflicht“, befürchtet Pollmächer. Kein Patient werde sicher sein können, dass seine Daten das System nicht verlassen.

„Außerdem wird durch die hohen Kosten für die neue Karte der medizinischen Versorgung Geld entzogen“, kritisiert Pollmächer. „Der Patient bleibt auf der Strecke.“

Von Maja Yüce und Franziska Kiele

Quelle: HNA

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