Knapp 5000 auf ein Zubrot durch Minijobs angewiesen

Drastischer Zuwachs an Zweit- und Drittjobs

+

Schwalm-Eder. Man nennt sie Multi-Jobber, im Schwalm-Eder-Kreis haben fast 5000 Menschen mehr als eine bezahlte Arbeitsstelle. Das wurde jetzt vom Pestel-Institut (Hannover) bekannt gegeben.

Im Auftrag der Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wurde herausgefunden, dass immer mehr Menschen mehr als einen Job erledigen, um über die Runden zu kommen. 4 800 Berufstätige sollen so im vergangenen Jahr auf einen Mini-Job als zusätzliche Einnahmequelle angewiesen gewesen sein.

Damit sei die Zahl derer, die neben ihrer Hauptbeschäftigung noch einen Nebenjob haben, in den vergangenen Jahren im Schwalm-Eder-Kreis drastisch gestiegen. „Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von rund 135 Prozent gegeben“, sagt Studienleiter Matthias Günther von Pestel.

2012 hätten mehr als sechs Prozent der Beschäftigten im Schwalm-Eder-Kreis sich mit einem 400-Euro-Job nebenher etwas dazuverdient.

Das ist kein Luxusproblem, „aus der puren Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner“, sagte der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Nordhessen, Harald Fennel. Er macht für das Multi-Jobben vor allem Niedriglöhne verantwortlich. „Auf der einen Seite werden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite steigen die Lebenshaltungskosten. Das beste Beispiel ist das Wohnen. Hier dreht sich - nicht zuletzt wegen der Heiz- und Nebenkosten - die Preisspirale unaufhörlich.“ Niedrigverdiener seien gezwungen, nach Feierabend und an den Wochenenden zur Zweit-Arbeit zu gehen, so Fennel.

Nach Ansicht der Gewerkschaften hilft nur ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde schaffen. „Wer heute für weniger arbeiten muss, hat keine Chance, von dem, was er verdient, auch leben zu können“, sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Nordhessen, Andreas Kampmann. (aqu)

Quelle: HNA

Kommentare