Ehrenamtliche Familienpaten sollen fehlende Nachbarschaftshilfe ersetzen

Hilfe im Alltag: Bei dem Projekt "Ehrenamtliche Familienpaten" im Schwalm-Eder-Kreis sollen sich die Einwohner in Melsungen, Felsberg und Gudensberg künftig unter die Arme greifen. 

Schwalm-Eder. Die alltägliche Belastung für Alleinerziehende ist groß, manchmal kaum zu schaffen: Kleine Kinder sind zu betreuen, finanzielle Probleme drücken, die familiäre Unterstützung fehlt.

Da käme eine Nachbarin, die sich beim Arztbesuch mal kurz um ein Kind kümmert, oder die Freundin, die den Sohn mit zum Sportverein nimmt, gerade recht. Wo es diese helfende Hand nicht (mehr) gibt, die Einbindung in das Gemeinwesen fehlt, da können in drei Gemeinden des Schwalm-Eder-Kreises ehrenamtlich arbeitende Familienpaten einspringen.

In Melsungen, Felsberg und Gudensberg kommen 13 Paten zum Einsatz, zwölf Frauen und ein Mann, die ihre Zeit, ihre Erfahrung, ihr Wissen und manchmal nur ihre Fähigkeit zum Zuhören denjenigen zur Verfügung stellen, die um die Hilfe bitten. „Oberstes Gebot für den Einsatz der Paten in einer Familie ist die Freiwilligkeit“, sagt Angelika Richter, die beim Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsvorsorge (AKGG) in Melsungen für die Betreuung und Schulung der ehrenamtlichen Paten zuständig ist (siehe weitere Artikel).

Ein Pate oder eine Patin werde nur eingesetzt, wenn die Familie das auch wolle. Zusätzliche Hilfe Wer für die Arbeit mit einem Paten infrage kommen könnte, das entscheiden die Jugend- und Sozialämter und der AKGG. Zusätzlich zu professionellen Sozialarbeitern könne es als Übergang die ehrenamtliche Unterstützung geben, sagt Richter. Es sind meistens Frauen reiferen Alters, die sich bisher für das Projekt gemeldet haben. Sie sind teils aus dem Arbeitsleben ausgeschieden und suchen eine neue, erfüllende Aufgabe, möglichst mit Menschen; andere wollen aus christlicher Motivation für den Nächsten tätig werden und bieten ihre Hilfe an.

Nicht ins kalte Wasser

Sie alle werden nicht ins kalte Wasser geschmissen, sondern für ihre Aufgabe in und mit den Familien geschult. Der AKGG übernimmt diese Schulung, bei der es auch darum geht, wie man mit Kritik, mit Ablehnung umgeht und wie man seine Hilfsbereitschaft begrenzt.

Alle vier bis sechs Wochen treffen sich die Paten zur fachberatung mit Angelika Richter. Die Gespräche miteinander über die Erlebnisse und Erfahrungen mit den Müttern, Vätern und Kindern spielen dabei eine wichtige Rolle. „Wir bieten Coaching und Reflexion an“, sagt Robert Moos, Leiter der ambulanten Jugendhilfe beim AKGG

Bei akuten Problemen gibt es zusätzliche telefonische Beratung für die Paten. Und wenn es richtig „brennt“, dann ist professionelle Hilfe nötig, dann setzt die ehrenamtliche Arbeit aus. Zum Start als Familienpatin sei es wichtig, feste Zeiten und ein klar umrissenes Aufgabenfeld zu vereinbaren, sagt Angelika Richter. Die Paten seien keine kostenlosen Betreuer oder Babysitter. "Es geht mehr um langlebige Beziehungen“, sagt Richter. "Um die Einbindung in ein selbstverständliches Miteinander."

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Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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