Schwalm-Eder: Gut getaktet für die SPD

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Starkes Votum für Franke (Mitte): Mit 96,6 Prozent der Stimmen wählten ihn die Delegierten des SPD-Unterbezirks am Samstag zum neuen Vorsitzenden. Unser Foto zeigt ihn mit seinem Vorgänger, Landrat Frank-Martin Neupärtl, sowie Vorstandsmitglied Heike Wüst. Foto: Rohde

Schwalm-Eder. „Es gibt ja viele junge Politiker, die keine Ahnung mehr vom richtigen Leben haben“, sagt Dr. Edgar Franke. Karrieren, die vom Kreißsaal über den Hörsaal direkt in den Plenarsaal führten, nerven den SPD-Bundestagsabgeordneten aus Gudensberg.

Für solch markigen Sprüche und seinen nordhessischen Charme ist der 54-Jährige im Schwalm-Eder-Kreis und inzwischen auch im Bundestagsbetrieb bekannt.

Franke ist anders geerdet als die stromlinienförmigen Jungpolitiker. Er ist Jurist, hat für den Dachverband der Berufsgenossenschaften gearbeitet, war Professor an der Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherungen in Bad Hersfeld und Bürgermeister von Gudensberg.

Als Experte für Gesundheitspolitik hat er sich sowohl den Respekt der Genossen als auch der politischen Gegner erworben. Das trug ihm den Vorsitz im Gesundheitsausschuss und vermehrte Auftritte bei Talkshows ein.

Nun kommt noch eine weitere Rolle hinzu: die des Schlichters und Erneuerers. Die Genossen im Schwalm-Eder-Kreis wählten Franke am Samstag in Borken mit einem Ergebnis von 96,6 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden (wir berichteten).

Unbelastet von Querelen 

Aus den Querelen, die das Verhältnis von Landrat Frank-Martin Neupärtl seinem Vize Winfried Becker und dem Landtagsabgeordneten Günter Rudolph vergiftet haben, hat sich Franke herausgehalten. Wohl deshalb bescherten ihm die Delegierten am Samstag ein Ergebnis, wie es seit langem kein SPD-Vorsitzender im Schwalm-Eder-Kreis mehr erzielt hat. „Ich bin unbelastet von den Konflikten und habe mich auch nicht nach dem Amt gedrängt.“ Er sieht das als einen Vertrauensvorsprung, dem er erst noch gerecht werden müsse. Franke: „Ich werde den Leuten aber auch nicht nach dem Mund reden.“

Der neue Vorsitzende möchte die Partei im Schwalm-Eder-Kreis öffnen für jüngere Leute und für Frauen. Er möchte sie interessant machen für Menschen, die kreativ sind und im Leben stehen. Im SPD-Unterbezirksvorstand seien neun von 17 Mitgliedern Frauen - so viele wie noch nie. Mit größerer Professionalität müsse man auf die Suche nach Kandidaten für Bürgermeister-Direktwahlen gehen. Dass die SPD nur in einer der fünf größeren Städte des Landkreises noch den Bürgermeister stellt, sei ärgerlich. Das könne kein Zufall sein. Franke: „Ohne Schuldzuweisungen, aber hier sind auch Fehler gemacht worden.“ Die SPD-Geschäftsstelle müsse diesen Findungsprozess künftig besser begleiten und dafür Serviceleistungen erbringen.

Die Politik der SPD sollte vor allem darauf ausgerichtet sein, dass die Menschen - vor allem jüngere und Familien - in der Region einen Arbeitsplatz finden und nicht abwandern müssen. Es gehe um „Wirtschaftsförderung im weitesten Sinne“ und auch darum, die berechtigten Interessen des Mittelstandes zu vertreten.

Und wie passt das alles in den Alltag eines Bundestagsabgeordneten? Das sei nicht ganz einfach und müsse gut organisiert werden, sagt Franke und fügt hinzu: „Ich bin total getaktet.“ Allein für Freitag stehen zehn Termine in Berlin und in seinem Wahlkreis im Kalender. Das richtige Leben lässt grüßen.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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