Im Schwalm-Eder-Kreis gibt es nur wenige Trauerbegleiter

Angebot erweitern: Hospizkoordinatorin Petra Hochschorner (links) und Trauerbegleiterin Ingeborg Schwanke vom Hospizverein Felsberg-Melsungen werben für Hospiz-Arbeit. Foto: Dewert

Melsungen. Ingeborg Schwanke ist Trauerbegleiterin. Sie steht Menschen und Familien bei, wenn diese den Tod eines nahestehenden Menschen verarbeiten müssen.

Die 61-Jährige betreut auch die Flüchtlingsfamilie Khumiev, die ihre erst sieben Monate alte Tochter verloren hat.

„Trauer und Sterben sind nicht voneinander zu trennen“, sagt Petra Hochschorner, Koordinatorin des Hospizvereins Felsberg-Melsungen. Der Verein bietet externe Schulungen zur Trauerbegleiterin an. Für Ingeborg Schwanke ist gerade die Trauerbegleitung eine notwendige und gesellschaftlich zu wenig beachtete Aufgabe.

Sehr viele Menschen blieben mit dem Schmerz eines Verlustes allein. Im Schwalm-Eder-Kreis gibt es derzeit mit 15 nur wenige Trauerbegleiter. Das liege auch daran, dass es keinen gesetzlichen Anspruch auf Trauerbegleitung gebe, sagt Hochschorner. Die Krankenkassen fühlten sich nicht zuständig. Eine Erstattung gebe es daher nicht. Im kreisweiten Trauer- und Hospiznetzwerk habe man aber entschieden im Landkreis eine solche Begleitung anbieten zu wollen, sagt die 49-Jährige.

Wie wichtig dieses Ehrenamt sei, spüre sie ständig bei ihrer Arbeit sagt Hochschorner. Gerade bei tragischen einschneidenden Erlebnissen benötigten auch die Überlebenden Hilfe.

Die Familie Khumiev beispielsweise habe keine guten Freunde, Familie oder andere Ansprechpartner in der Umgebung. Wenn in der Fremde die einzige Tochter plötzlich sterbe, sei der Schmerz unvorstellbar. Jeder benötige eine Möglichkeit über den Verlust zu sprechen, sagt Schwanke.

Aber genau das sei im privaten Umfeld mitunter schwierig, sagt Hochschorner. „Vielen ist es unangenehm, mit Trauernden zu sprechen.“ Selbst wenn es Freunde und Verwandte gebe, müssten diese entlastet werden.

Wenn Betroffene die Trauer zulassen könnten, sei ein großer Schritt getan. Der Druck weiche dann nach und nach, erklärt Hochschorner.

Ingeborg Schwanke spielt Mensch-ärgere-dich-nicht mit Salamu und Zaira Khumiev. Wegen der schlechten Deutschkenntnisse sei die Verständigung ohne Dolmetscherin noch nicht möglich. Die gemeinsam verbrachte Zeit baue Vertrauen auf. Immer häufiger zeige die Mutter ihr Fotos und Videos der verstorbenen Tochter. Gemeinsam gehe man durch die Stadt spazieren. Etwas, was sie mit der Tochter so gerne unternommen habe. Auch wenn Zaira weine, wenn sie andere Kinder sehe, bei der Trauerverarbeitung könne man bis auf Verdrängen nichts falsch machen.

„Jeder muss seinen Weg finden. Wenn man nichts macht, kommt die Trauer später. Im schlimmsten Fall drohen Depressionen“, sagt Schwanke.

In einer Beziehung sei es wichtig, die Unterschiedlichkeit der Trauer zu akzeptieren. In einer Ehe könne es sein, dass ein Partner viel weint, der andere nicht. Das sei gut so. Trauer ist sehr persönlich.

ie Trauerbegleitung spiele in Deutschland noch eine sehr untergeordnete Rolle, sagt Petra Hochschorner, Koordinatorin beim Hospizverein Felsberg-Melsungen.

Die Sterbebegleitung bei Hospizvereinen unterscheide sich von der Trauerbegleitung. Für die Trauerbegleitung gebe es eine zusätzliche Fortbildung. Die Koordinatorin des Hospizvereins empfiehlt Interessierten eine Ausbildung als Sterbebegleiterin und im Anschluss eine Fortbildung zur Trauerbegleiterin.

Die Kursgebühr übernimmt das Trauer- und Hospiznetzwerk im Schwalm-Eder-Kreis. Der Zeitaufwand als Trauerbegleiter liege wöchentlich bei etwa zwei bis drei Stunden. Die Ausbildung zur Sterbebegleiterin umfasst 100 Stunden - weitere 80 Stunden dauert die Fortbildung zur Trauerbegleitung.

Jede Begleitung sei dabei so unterschiedlich wie die Menschen, die man betreut, sagt Ingeborg Schwanke. Das mache die Aufgabe abwechslungsreich und interessant. Auch der Kontakt mit anderen Kulturen und Religionen sei reizvoll.

Sie sei auf Zurückhaltung bedacht, fühle sich erst in eine Situation ein. Wie lange eine Begleitung dauere, wisse man im Vorfeld nicht. Sicher sei nur, dass man nicht eine Familie betreue, bei der man zuvor Sterbebegleiterin war.

Sterben und Trauer seien zwei unterschiedliche Dinge. Als solche sollten sie auch behandelt werden, sagt Petra Hochschorner. Wie beim Todkranken gebe es auch Phasen für Trauernde, die sie durchlaufen.

William Worden, ein amerikanischer Professor für Psychologie, vergleicht den Trauerprozess mit einem körperlichen Heilungsprozess nach einer schweren Verwundung. Er nennt vereinfacht folgende vier Phasen, die ein Trauernder durchläuft:

• Der Schock: Der Verlust muss als Realität akzeptiert werden.

• Aufbrechende Gefühle: Der Trauerschmerz muss erfahren werden.

• Das Suchen und Trennen: Sich anpassen an eine Umwelt, in der der Verstorbene fehlt.

• Das neue Selbst: Eine neue Beziehung zu sich selbst und zur Umwelt finden.

Das nächste Trauercafé findet statt am 25. Februar von 15 bis 17 Uhr in Melsungen, Erdgeschoss Harningsmühle, Huberg 4.

• Kontakt: Hospizverein Felsberg-Melsungen unter Tel. 05661/9261933

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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