Nachfolger in Traditionsbetrieben fehlen

Im Schwalm-Eder-Kreis machen immer mehr Kneipen dicht

Schwalm-Eder. Das Kneipensterben geht weiter. Auch im vergangenen Jahr haben im Schwalm-Eder-Kreis wieder Gaststätten geschlossen.

Bis zum Jahr 2020 rechnet der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen mit bis zu weiteren 700 Schließungen im Land. „Denn es findet ein gigantischer Generationswechsel statt“, berichtet Anna Homm, Geschäftsführerin des Dehoga Nordhessen.

Aufgrund der Arbeitszeiten von bis zu 80 Stunden pro Woche zähle das Hotel- und Gaststättengewerbe im ländlichen Raum nicht zum Traumberuf. Das bedeutet: Viele Traditionsbetriebe müssen schließen, weil sie keinen Nachfolger finden.

„Heutzutage muss man sich spezialisieren, um das Haus voll zu bekommen“, sagt Geog Rockensüß, Dehoga-Kreisvorsitzender. Er führt mit seinem Sohn in Allendorf/Landsburg einen Betrieb mit Hotel und Restaurant. Wie viele Berufskollegen macht auch er die Erfahrung: „Das Thekengeschäft ist zusammengebrochen.“ Deswegen würden speziell kleine Dorfkneipen sterben. Gründe seien, dass viele ihr Bierchen zuhause trinken oder aufgrund von Fernsehen oder anderen Freizeitbeschäftigungen nach Feierabend nicht mehr vor die Tür gehen. „Früher war es normal, dass man einfach mal einen Schoppen trinken geht und an der Theke miteinander schwätzt.“ Zudem hätten heute viele Vereinsheime einen eigenen Thekenbetrieb.

„Nur wenn es ein breites Gaststättengewerbe gibt, kann die touristische Infrastruktur im ländlichen Raum erhalten werden“, sagt Anna Homm. Das habe Auswirkungen auf den Tourismus und sei besonders gut für kleinere Gemeinden.

Im Landkreis gibt es einzig in Spangenberg eine Gegenbewegung: Dort haben innerhalb weniger Monate mehrere Gaststätten eröffnet, teilweise in jahrelang leer stehenden Traditionshäusern.

Quelle: HNA

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