Schwalm-Eder-Kreis: Therapie gegen Ärztemangel

Schwalm-Eder. Der Landkreis krankt: In den kommenden Jahren verschärfen sich die Probleme bei der ärztlichen Versorgung. Immer weniger junge Ärzte wollen eine Hausarztpraxis auf dem Land übernehmen. Auch die Facharztstellen und Kliniken der Region sind für junge Mediziner wenig attraktiv.

 Dagegen will der Landkreis gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) und dem Hessischen Landkreistag vorgehen. Bei einer Tagung präsentierte die KV Daten über die Verteilung der Ärzte in den Regionen. "Diese sollen erstmals veröffentlicht werden", sagte Patricia Kaczmarek von dem Verband. Aufgeführt sind alle Haus- und Fachärzte sowie das Alter von Bevölkerung und Ärzten in den Orten.

"Die meisten Mediziner der Region gibt es in Melsungen, Homberg, Fritzlar und Borken", sagte Kaczmarek. Dort sei die ambulante Versorgung noch gut. Die Durchschnittszahl im Kreis kann sich auch sehen lassen: 105 Prozent des Bedarfs sind gedeckt. Doch die Statistik hat Tücken: Gerade sehr ländliche Orte leiden. "In Ottrau gibt es keine Hausarztpraxis mehr", sagte Erster Beigeordneter Winfried Becker.

Die Tendenz: Die Zahl der Praxen sinkt, viele Ärzte gehen bald in den Ruhestand, Nachfolger sind oft nicht in Sicht. Junge Ärzte wollten nicht mehr rund um die Uhr im Einsatz sein. "Einen Zwang zur Niederlassung gibt es nicht", sagte Dr. Jan Hilligardt, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Landkreistages. Das soll auch so bleiben. Gemeinsam sollen Strategien entwickelt werden, um Ärzte aufs Land zu holen.

Das sei neu und ein Experiment. Der Schwalm-Eder-Kreis folgt einem Modell aus dem Landkreis Fulda. Heiko Wingenfeld, Erster Beigeordneter dort, berichtete von einer geplanten Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Das wolle Räume für Sprechstunden zur Verfügung stellen. "Wir wollen prüfen, wo es im Landkreis in den nächsten Jahren eine Lücke gibt und wie man das Problem lösen kann", schlug Jörg Osmers vom Hessischen Sozialministerium vor. So gebe es immer mehr Ärztinnen, die Familie und Beruf kombinieren wollten. Gemeinschaftspraxen mit halben Stellen könnten eine Lösung sein oder Kliniken mit Kinderbetreuung.

In Krankenhäusern könnten Räume für Facharzt-Sprechstunden eingerichtet werden. Zudem müsse man sich fragen, welche Aufgaben Krankenschwestern übernehmen können. (zty) Gegen den Ärztemangel: Heiko Wingenfeld (Landkreis Fulda), Dr. Jan Hilligardt (Hessischen Landkreistag), Erster Beigeordneter Winfried Becker, Jörg Osmers (Hessischen Sozialministerium) und Patricia Kaczmarek ( Kassenärztlichen Vereinigung).

Quelle: HNA

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