140 Bußgeldverfahren in 2012

Schule schwänzen kann teuer werden

Schwalm-Eder. 300.000 Schüler verweigern in Deutschland den Unterricht. Für Familienministerin Ursula von der Leyen eine alarmierende Zahl. Sie schlägt das Nachdenken über Strafen vor, bis hin zur Kürzung des Kindergeldes.

Dabei ist es in Hessen schon jetzt möglich, säumige Schüler mit Bußgeld zu belegen, bis zu 400 Euro ab drei Fehltagen. 140 Mal haben Schulleitungen in Schulamtsbezirk entsprechende Verfahren in diesem Jahr bereits eingeleitet.

Allerdings ist das nur die Spitze des Eisberges, und die Psychologen am Staatlichen Schulamt Fritzlar sehen in der Sanktionierung nur für einen Teil der Fälle einen Sinn. Laut des Schulpsychologen Peter Kühne ist eine frühzeitige Analyse nötig, um Schüler mit Leistungs- und Trennungsängsten von den klassischen Schwänzern zu unterscheiden.

Dieses originäre Schwänzen komme in Haupt- und Sonderschulen häufiger als in anderen Schulformen vor. Laut einer Studie werden nicht wenige Schwänzer in der „freien“ Zeit sogar straffällig. Viele geben aber auch an, ausschlafen zu wollen, sich mit Freunden zu treffen oder - 17 Prozent - einem Job nachzugehen.

Kaum eine Handhabe haben Schulleitungen in der Vielzahl der Fälle, in denen Eltern die Kinder und Jugendliche entschuldigen, obwohl sie den Unterricht besuchen könnten und sollten. Aus Sicht der Psychologen handelt es sich in diesen Fällen nicht um banales Schuleschwänzen, sondern um „Schulvermeider“ aus unterschiedlichen Beweggründen.

Auch Pädagogen sehen in der Prävention viel mehr Sinn, als in der Bestrafung. Jochen Nagel, Vorsitzender der hessischen Lehrergewerschaft GEW, wertet Bußgeldverhängung als „Beleg für das Scheiterns an der Schule“. Gründe könnten auch schon mal sein, dass sich Schüler um jüngere Geschwister kümmern müssen. Der Ausbau der Schulsozialarbeit sei in dem Zusammenhang wichtig, Strafen ein letztes und schlechtes Mittel.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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