Schwalm bei Rhünda erhält neuen Verlauf mit mehreren Armen und Ruhezonen

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Ortstermin an der Schwalm: von links Ortsvorsteher Reinhart Wendel, Bauamtsleiter Paul Wieder, Umweltberater Heinrich Kern, Bürgermeister Volker Steinmetz, Peter Kugler (Betriebsleiter Wasserverband Schwalm), Michael Nase (Büro PFL).

Rhünda. Die Schwalm unweit des Felsberger Stadtteils Rhünda wird umgestaltet. Seit Anfang April sind dort Bagger im Einsatz, um dem Flüsschen ein neues Gesicht zu geben.

Damit wird nun umgesetzt, was seit 2004 im Gespräch ist: Die Renaturierung des kleinen Flusses. Weg vom geradlinigen Verlauf mit massiven Uferbefestigungen.

Momentan wird der Schwalm noch das verwehrt, was sie jahrhundertelang machen konnte: freies Fließen unter Ausbildung von Mäandern, erklärt Michael Nase vom Büro PFL Nase & Partner in Kassel.

Dafür wird nun die recht gerade fließende Schwalm auf 320 Meter Länge in mehrere kleine Arme aufgeteilt und erhält zusätzlich Stillgewässer, erläuterte Felsbergs Umweltberater Heinrich Kern. Dadurch werde die Fließgeschwindigkeit reduziert, was zu weniger Erosion führe. Bei schnellen Fließgewässern grabe sich der Fluss tiefer, und der Grundwasserspiegel sinke – zum Nachteil der Landwirtschaft.

Laub- und Nadelbäume

Wie berichtet, hatte ein Rhündaer Landwirt dafür Grund und Boden an die Stadt verkauft. Nur so kam die Stadt an die Fläche, die für die Neugestaltung erforderlich ist. Denn: Wegen der zahlreichen Arme, Kurven und Verbindungen des vielfältigen Bachbettes wird das Bett der Schwalm mit 60 Metern breiter als bisher. Laub- und Nadelbäume werden die zunächst noch kahlen Flächen begrünen.

Ein Altarm zwischen der Schwalm und der Bundesstraße soll an das Flüsschen angeschlossen werden. Somit kann dann wieder frisches Wasser dort einströmen, und die Wasserqualität verbessert sich, sagte Michael Nase vom Kasseler Planungsbüro Nase und Partner. Fische, so die Angler, gebe es dort nicht mehr. Der Wasserstand beträgt derzeit maximal einen Meter, darunter befindet sich eine dicke Schicht dunkelgrauen Schlamms, der sich durch die absterbenden Pflanzen – unter anderem Teichrosen – im Laufe der Jahre gebildet hat.

Mit der Umgestaltung soll eine urwüchsige Flusslandschaft mit Biegungen, Inseln, Sand- und Kiesbänken entstehen. sagte Dipl. Ing Michael Nase. Schilf werde sich wieder ansiedeln. Die Kiesbänke könnten dem selten gewordenen Flussregenpfeifer einen neuen Lebensraum erschließen.

In kurzer Zeit werde sich ein naturnaher Auenwald entwickeln, der Käfern, Schmetterlingen und Vögeln eine neue Heimat bietet.

Peter Kugler, Betriebsleiter beim Wasserverband Schwalm hofft mit der Renaturierung auf eine dynamische Entwicklung des Gewässers. Und auch der Fischereiverband sieht darin Positives. Denn Flusskrebse, Forellen und andere Wassertiere werden optimale Rückzugsräume finden.

Der veränderte Flusslauf bringt aber nicht nur Pluspunkte für Pflanzen und Tiere, sondern auch für den Menschen. Wenn die Schwalm sich in der Breite ausdehnen kann, ist dies auch gut für den Hochwasserschutz. (bmn)

Quelle: HNA

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