Lehrgang in der 23. Auflage

JVA Schwalmstadt: Häftlinge legten Gesellenprüfung zum Koch ab

Schmackhafte Kunstwerke: Während seine Mitgefangenen das Prüfungsmenü kochten kreierte Häftling Klaus K. bei der Gesellenprüfung im Ziegenhainer Gefängnis Canapées , Küchenchef Gerd Conradi unterstützte den 30-Jährigen dabei. Foto: Grede

Ziegenhain. Rinderkraftbrühe mit Pfannkuchenstreifen und Rouladen mit Rahmwirsing. Als gut bürgerlicher Gourmettempel machte das Gefängnis in Ziegenhain noch nicht auf sich aufmerksam, aber regelmäßig treibt eine raffinierte Menüfolge ziemlich schweren Jungs den Schweiß auf die Stirn:

Auch in diesem Jahr legten vor den Augen wachsamer Prüfer neun Häftlinge erfolgreich ihre Gesellenprüfung ab. Messer wirbeln über Wirsingköpfe, zäh fließt Kartoffelbrei aus der Presse, Fett spritzt nebendran aus der Pfanne. Häftling Klaus K. verziert Canapées. „Was Kreatives“ wolle er im Knast machen, erzählt der 30-Jährige. Deshalb habe er sich für die Ausbildung zum Koch entschieden.

„Ich wollte einfach mal was Kreatives machen.“

Für ihn ist das nicht nur ein Ausbruch aus der Tristesse und der Perspektivlosigkeit des Alltags hinter Gittern. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung will er seinem Leben einen anderen Dreh geben: Fünfeinhalb Jahre muss der Südhesse wegen Drogendelikten absitzen, anderthalb hat er schon hinter sich.

Hermann Thiel

Während Klaus K. vorsichtig Paprikastreifen auf Frischkäsehauben drapiert, herrscht nebendran an den Töpfen höchste Konzentration. Denn nicht nur Präsentation und Qualität beurteilt Prüfer Hermann Thiel, auch Zeitabläufe müssen eingehalten werden, damit das Menü pünktlich auf dem Prüfungstisch serviert werden kann. Den Kursteilnehmern des immerhin 23. Lehrgangs in der JVA bescheinigt der Fachmann von der Industrie- und Handelskammer nicht nur im theoretischen Teil „überdurchschnittliche Leistungen“. Da komme zum Tragen, dass die Häftlinge in der Regel älter sind als andere Auszubildende und von Küchenchef Gerd Conradi und seinem Team ausgesprochen gut und intensiv vorbereitet seien.

Vollzeitausbildung und Sicherungsverwahrung zählen zum ausgewiesenen Profil des Ziegenhainer Gefängnisses, in dem überwiegend Gefangene mit Haftstrafen über fünf Jahren einsitzen. Mit seinen Werkstätten stehe die Haftanstalt landesweit einmalig da, erklärte Wilfried Porada, im Gefängnis zuständig für die Aus- und Weiterbildung. Daran werde auch der Ausbau zu Hessens Zentrum für Sicherungsverwahrung nichts ändern.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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