Nach 18 Jahren als Bürgermeister der größten Stadt im Landkreis geht Wilhelm Kröll in den Ruhestand

Wilhelm Kröll: Nur Stillsitzen fällt ihm schwer

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Gartenliebhaber in ihrer Weinlaube: Margaretha (59) und Wilhelm Kröll (67) freuen sich auf mehr freie Zeit für Hobbys und Reisen.

Schwalmstadt. Margaretha und Wilhelm Kröll fuhren an einem tristen Novembersonntag zum ersten Mal von Büdingen nach Schwalmstadt. Das war 1993, und sie waren nichts ahnend unterwegs in ihre neue Heimat.

Tochter Cathrin kam nicht mit, sie war ein Teenager und hielt gar nichts von der Idee des Vaters, damals hauptamtlicher Stadtrat, nach Nordhessen zu gehen. Aber Wilhelm Kröll verließ sich auf das Gespür seiner Frau. „Wenn Du dich bewerben willst, dann gehe ich mit“, soll sie gesagt haben. Der Büdinger trat im Oktober 1994 das Bürgermeisteramt in Schwalmstadt an.

Das war dem Jungen aus einfachen Verhältnissen, Jahrgang 1945, nicht an der Wiege gesungen. Mit vier Geschwistern wuchs er auf, nach der achten Volksschulklasse kam er in einem Frankfurter Rechtsanwaltsbüro in die Lehre. Seit über 50 Jahren ist Wilhelm Kröll mithin zwischen Akten und Schreibtisch zu finden. Aber nicht nur. Wer ihm begegnet ist, weiß, dass ihm das Stillsitzen zuweilen schwer fällt. Wenn es sein muss, dann gestikuliert er wenigstens kräftig oder greift zu einer Tasse heißen, schwarzen Kaffees. Ein starker Raucher war er mal, aber mit seiner Energie hat er das Laster hinter sich gelassen.

Bilderstrecke: Ein Besuch im Hause Kröll

Ein Besuch im Hause Kröll

Das Genießen ist dem Ehepaar Kröll wichtig. Die schönsten Sonntage erleben sie auf dem Rad, immer an der Schwalm entlang. Ein gutes Glas Wein, ein hervorragendes Essen, eine schöne Ausstellung oder Aufführung, das lieben beide. Und die gemeinsame Gartenarbeit. Vor der Terrasse ihres behaglichen Eigenheims am grünen Stadtrand gedeihen Tomaten, rote und blaue Trauben, Gemüse in Hülle und Fülle und vieles mehr. Am Koi- und Goldfischteich lädt die Teakholzsitzgruppe zum Verweilen ein.

„Samstags habe ich mich manchmal vier Mal umgezogen, zwischen Terminen warh immer wieder im Garten“, erzählt der 67-Jährige, der nicht etwa für die Zier-, sondern für die Gemüsepflanzen in den akurat mit Buchshecken umstandenen Beeten verantwortlich zeichnet. Gärtnerschürze und dunkler Anzug, Tennis- und gestärktes Oberhemd: Das alles bleibt Krölls Kragenweite, „wenn man noch eine Weile gesund bleibt“.

In den nächsten Tagen ist Wilhelm Krölls Kalender noch gespickt mit Terminen, Vorzimmerdame Petra Nette („ein Glücksfall, ebenso Vorgängerin Doris Heinmüller“) hat Mühe, alles unterzubringen, „es geht voll durch“. Zufall oder nicht: Die Freigabe der Wieragrundstraße am Freitag ist eine der allerletzten Amtshandlungen.

Noch lieber hätte Kröll sicherlich die Eröffnung des Einkaufszentrums gefeiert, die ursprünglich in diesen Tagen hatte sein sollen. „Es gab auch Rückschläge, manches hätte man nicht gebraucht“, sagt er und lacht schon wieder. Und dass er immer auf das ziele, was er zu ändern vermag, nicht auf das Unabänderliche.

Margaretha, die immer berufstätig blieb, und Wilhelm Kröll sind Nordhessen geworden, „Schwalmstadt ist für uns ein Glücksfall“. Sie freuen sich im 37. Ehejahr auf die Zeit frei von Terminen, „wir wollen die Jahre intensiv nutzen“.

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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