Schwalmstädter gesteht, drei Unfälle herbeigeführt zu haben

Schwalmstadt. Das Gericht tagte fast am dreifachen Tatort. Denn um willentlich Autounfälle herbeizuführen, hatte sich der angeklagte Schwalmstädter dreimal den Kreuzungsbereich der Kasseler Fünffenster-Straße ausgesucht, der dem Justizgebäude gegenüberliegt.

Dann hatte der 26-Jährige versucht, Geld von der gegnerischen Versicherung zu kassieren. Zweimal erfolgreich.

All das gab der junge Mann in der Verhandlung zu. Das Amtsgericht sprach ihn dreier Fälle des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zum Ermöglichen einer Straftat, zweier Fälle von Betrug und eines Falles von versuchtem Betrug schuldig. Dafür verhängte es zwei Jahre Freiheitsstrafe - und setzte diese zur Bewährung aus. Zur Auflage wurde dem 26-Jährigen gemacht, während der dreijährigen Bewährungszeit insgesamt 5400 Euro an die geschädigten Versicherungen zurückzahlen. "Es ist wahrscheinlich auch das beste für Sie, das von sich aus anzugehen - ehe sie sich nochmal verklagen lassen", sagte die Staatsanwältin dazu.

Am Morgen war die Verhandlung zunächst etwas holprig in Gang gekommen: Der Verteidiger hatte in Kassels Baustellen-Gewirr Mühe, den Parkhauseingang zu finden und kam zu spät aber noch vor der Staatsanwältin. Nach ihr musste das Gericht erst per Telefon fahnden. Sie hatte gedacht, der Prozesstermin sei aufgehoben worden.

Der Angeklagte wiederum war pünktlich, brauchte aber eine kurze Unterredung im Flur, bis er eine Geständnis ablieferte. Dass er gestehen würde, hatte der Verteidiger offenbar angekündigt. Denn keiner der Unfallgegner war als Zeuge geladen lediglich einen Auto-Sachverständigen hatte das Gericht hergebeten.

Schließlich räumte der 26-Jährige ein, er sei bewusst auf die Fünffenster-Straße gefahren, habe sogar Runden gedreht, weil "ich wusste, dass es da irgendwann zum Unfall kommt".

Und ja, er habe es auf Geld von der gegnerischen Versicherung abgesehen - und die Schäden preiswerter beheben lassen. Geld gebraucht habe er, weil er zur Tatzeit seine Spielsucht noch nicht im Griff gehabt habe.

Der erste Unfall hatte sich laut Anklage nachts um eins im September 2009 ereignet, der nächste zwei Monate später morgens gegen vier Uhr - der letzte im Dezember 2011. Erst im Konflikt mit der dritten Versicherung war die Sache aufgeflogen.

Jetzt, zweieinhalb Jahre nach der letzten Tat, wies das Strafregister des Angeklagten keine neuen Einträge auf. Die Richterin attestierte ihm: "Sie scheinen sich gefangen zu haben." Damit das so bleibt, sah das Gericht davon ab, ein Fahrverbot gegen den Schwalmstädter zu verhängen. Lieber soll er seine Arbeitsstelle erreichen können.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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