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Schwarzenborn: Zukunft des Truppen-Übungsplatzes unklar

Schwarzenborn. Mit der Umsetzung des Stationierungskonzepts, das Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Mittwoch präsentierte, wird es Hessens einzigen Truppenübungsplatz in Schwarzenborn in seiner jetzigen Form nicht mehr geben. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Anfrage der HNA.

Der Truppenübungsplatz als solcher werde dann nicht mehr genutzt, sagte der Ministeriumssprecher. Bestehen bleiben könnte das Areal auf dem Knüllplateau allerdings als eine Übungsfläche für das künftige Jägerbataillon oder als Standortsübungsplatz, an dem auch Verbände aus der unmittelbaren Region trainieren könnten. In der Konsequenz falle allerdings das Personal weg.

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Aktuell sind nach Angaben von Hauptmann Peter Schaub, Leiter des Truppenübungsplatzes 36 Dienstposten besetzt, dazu zählt auch die Truppenübungsplatzfeuerwehr. Bereits 2007 fiel die Truppenübungsplatzkommandantur in Schwarzenborn weg. Seitdem zählt der Platz zum Übungsplatzverbund Hammelburg und Wildflecken. Zwischenzeitlich durfte nur mit Übungsmunition geschossen werden.

Derzeit sind elf Schießbahnen in Betrieb, an neun Übungsanlagen können beispielsweise Unfälle oder in Spielszenen ethnische Konflikte in Dörfern nachgestellt werden. Im Truppenlager ist es möglich, 600 Soldaten im Biwak oder in festen Unterkünften zu beherbergen. Dafür sind gerade drei neue Unterkunftsgebäude entstanden, in denen 300 Soldaten Platz finden.

Könnte künftig wegfallen: Das Stationierungskonzept des Verteidigungsministerium sieht die Auflösung des Truppenübungsplatzes in Schwarzenborn vor. Wie es genau weitergeht, ist unklar.

Auf den Erhalt des Areals als Standortübungsplatz setzt auch Oberstleutnant Thomas Geßner, stellvertretender Kommandeur des Jägerregiments, das in dem künftigen Jägerbataillon aufgehen wird.: „Das hätte elementare Vorteile für den zukünftigen Verband, da so eine Ausbildung und Vorbereitung für zukünftige Aufgaben hier vor Ort gewährleistet werden kann.“ Nicht in Gefahr sieht Bundestagsabgeordneter Bernd Siebert (CDU) den Bestand des militärischen Übungsareals auf dem Knüllplateau. Mit dem neuen Konzept werde lediglich die Kommandebene wegfallen. Darin sieht er eine eher technische Änderung.

Hintergrund

Der Truppenübungsplatz erstreckt sich auf einer Fläche von rund 1800 Hektar am Knüll und Eisenberg. Schon 1890 berichten Schwarzenborner von regelmäßigem Artilleriegefechtsschießen auf dem Knüll. Bereits gegen Ende des 19.Jahrhunderts gab es Planungen für einen Truppenübungsplatz bei Schwarzenborn. 1933 wurde das Gelände zunächst für ein Zeltlager der SA genutzt, später interessierte sich die SS für das Terrain.

1936 übernahm die Wehrmacht das Gelände und damit den planmäßigen Ausbau von Truppenübungsplatz und Lager. Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches richteten die Amerikaner ein Straf- und Sicherungslager für hohe NS-Chargen ein. Flüchtlingslager und Lungenheilstätte markieren die weitere Geschichte des Truppenübungsplatzes, bis 1956 die neugegründete Bundeswehr den Truppenübungsplatz übernahm.

Quelle: HNA

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