Kultureller Sonntag: Dorfrundgang und Gespräche über Kunst im Malerdorf

Schwatz über den Schnatz

Übernahmen die Patenschaft für den Abend: Die Willingshäuser Kirmesburschen hießen die 70 Besucher des Bilderschwatzes im Gasthaus Stamm willkommen. Foto: Rose

Willingshausen. Der Heimat- und Verschönerungsverein und die Burschenschaft Willingshausen hatten zum kulturellen Sonntag ins Malerdorf geladen: Auf die historische Dorfführung folgte als Abschluss im Gasthaus Stamm der sechste Bilderschwatz. Im Mittelpunkt stand Ludwig Knaus‘ Werk „Dorftanz unter der Linde“. Moderiert wurde der Abend von Paul Dippel. Florian Knapp sprach für die Burschenschaft.

Den Zeitstrahl bestückte Initiatorin Ulli Becker-Dippel, die auch eine kurze historische Einordnung vornahm. Von ihr erfuhren die 70 Gäste, was im Jahre 1850 – das Entstehungsjahr des Knaus-Bildes – geschah.

Im selben Jahr wurde etwa die erste Briefmarke eingeführt, die Firma American Express von den Herren Wells und Fargo gegründet, das Drei-Klassen-Wahlrecht etabliert.

Kunsthistorikerin Kati Werkmeister brachte den Zuhörern Werk und Leben des Künstlers näher. Knaus wurde 1829 als Sohn eines Brillenschleifers in Wiesbaden geboren.

Nach einer Lehre zum Lackierer besuchte er die Düsseldorfer Kunstakademie. Alsbald avancierte er zu einem der bedeutendsten deutschen Genremaler. „Auch international war Knaus anerkannt. 1867 reiste er zur Weltausstellung“, verdeutlichte Werkmeister. Willingshausen habe er sehr geschätzt: „Zwischen 1849 und 1881 kam Knaus zehn Mal in den Ort.“ 1909 widmete man Knaus eine Linde – sie wurde ihm zu Ehren an seinem 80. Geburtstag gepflanzt.

Begnadeter Zeichner

Der Maler sei ein begnadeter Zeichner gewesen, sagte die Kunsthistorikerin. Als Künstler habe er sich für das Miteinander im Dorf und für einfache Menschen interessiert. Von seiner Kunst konnte Knaus gut leben: „Viele Werke finden sich heute in amerikanischen Privatsammlungen.“ Die Szene des Dorftanzes habe Knaus aus verschiedenen Zeichnungen komponiert. Das bewiesen auch die kleinen Grüppchen sowie die episodenhafte Darstellung im Werk. „Das Bild ähnelt einer entstehenden Erzählung“, erklärte Werkmeister. 1881 sei eine ähnliche Szene entstanden, vermutlich in Merzhausen.

Die Gästen bemerkten, dass in der Darstellung noch die alte Tracht mit längeren Röcken und größeren roten Hauben getragen wurde. In munterer Runde plauderten Willingshäuser und Gäste über Tanzplätze, Traditionen und die Kirmes von Einst. Zum Abschluss des Abends ließen die Altkirmesburschen eine besondere Tradition wieder aufleben – das Eierbacken. Die Spezialität wurde an alle Besucher der großen Runde verteilt.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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