Bildungskritik: Bestsellerautor Philipp Möller las in Melsungen aus seinem Buch

Schweiß und Schwüre

Bestseller-Autor mit Melsunger Wurzeln: Philipp Möller stammt aus Berlin, seine Großmutter wurde in Melsungen geboren. Am Samstagabend las er im Kurhessenlädchen. Foto: Lache-Elsen

Melsungen. „Isch geh Schulhof - Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers“, mit diesem Erstlingswerk landete Philipp Möller einen Volltreffer, es stand in der Spiegel-Bestsellerliste.

Kein Stuhl blieb daher unbesetzt, als der 32-Jährige am Samstag auf Einladung der Giordano-Bruno-Stiftung und dem Melsunger Kurhessenlädchen in der Kasseler Straße aus seinem Buch las.

Seinem Verlag Bastei Lübbe sei klar gewesen, dass dieses Thema funktioniert, sagte Möller im HNA-Gespräch vor der Lesung. Dass das Werk allerdings wenige Wochen nach Erscheinen die Bestsellerliste anführen wird, damit habe er in seinen kühnsten Träumen nicht gerechnet.

Das Buch, seine Geschichte mit veränderten Schauplätzen und Personen, sei natürlich subjektiv. Angesichts von mehr als 100 000 verkauften Büchern in drei Monaten scheint er den Nerv der Leser zu treffen. Möller beschreibt Schule als einen Ort, der weder für Schüler, Lehrer, Schulleitung und Eltern ein guter Ort ist.

Seine Eltern und der Großvater sind oder waren Lehrer, Möller kennt sich also aus mit Pädagogik. Dennoch sei der Diplom-Pädagoge eher wie die Jungfrau zum Kinde zum Lehrerberuf gekommen, als Quereinsteiger. Offiziell über Hausaufgabenbetreuung mit jeweils Vierwochenverträgen sah er sich plötzlich als Mathe-, Deutsch- und Englischlehrer. Schnell lernte er den Jargon der Schüler, neudeutsche Neologismen, die sich verändernde deutsche Sprache wie „Wallah“ - ich schwöre. Er lernte, dass Präpositionen immer mehr aus der deutschen Sprache verschwinden: Aus „ich weiß“ wird Schweiß, „ich habe“ Schwabe oder aus „ich heiße“ Scheiße wird. „Es gab selten Situationen, die ich als Unterricht bezeichnen würde“, sagte er. Schnell habe er gelernt, dass Nettigkeit als Schwäche ausgelegt werde.

Bildung in Deutschland prangert er als „extrem vernachlässigt“ an. Schule müsse „ein Ort sein, an dem sich Menschen wohlfühlen“. Erst dann, das zeigten Studien, funktioniere Lernen auch. „Kinder können die Bildungsschicht der Eltern nicht verlassen“, kritisierte er.

Vieles von Möllers Beobachtungen sind nicht neu, aber amüsant verpackt, er möchte aufrütteln. Eltern riet er, „darauf zu achten, mit welcher Laune das Kind nach Hause kommt“ und zu einer bewussten Auseinandersetzung damit, was in der Schule passiert. Bildungspolitik sei für ihn ein Thema, das von Grund auf erneuert werden müsse.

Sein nächstes Buch ist in Arbeit. Das Thema hat laut Möller nichts mit Schule zu tun, er verriet nur soviel: „Auch das wird zum Brüllen komisch.“

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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