Zwischen Melsungen und Guxhagen

Schwerer Unfall auf A7 - Anfangs hielt keiner für Erste Hilfe an

Melsungen. Einen schweren Unfall hat es am Donnerstagvormittag auf der A7 zwischen Melsungen und Guxhagen gegeben. Nach einigen Stunden Vollsperrung ist die Autobahn seit etwa 14.15 Uhr wieder frei. Mehr als 100 Autos waren laut Zeugenaussage an dem frischen Unfall vorbeigefahren, ohne anzuhalten.

Ein Pferdetransporter mit angehängtem Wohnwagen war in Richtung Nord unterwegs. Etwa einen Kilometer vor der dem Rastplatz Quillerblick bemerkten die drei Insassinnen des Transporters, dass bei dem Wohnwagen die vordere Klappe defekt war und eine Gasflasche auf der Fahrbahn schleifte.

Aktualisiert um 14.48 Uhr

Die Fahrerin fuhr mit ihrem Gespann auf den Standstreifen. Sie und eine ihrer Mitfahrerinnen stiegen aus und gingen zwischen Transporter und Wohnwagen, um die Klappe zu schließen, als ein Lkw aus den Niederlanden den Wohnwagen rammte. Zeugen sagte später der Polizei, dass sie gesehen hätten, dass der Lkw zu weit rechts gefahren war.

Die 52-Jährige Transporterfahrerin wurde unter den Wohnwagen geschleudert, wo sie mit lebensgefährlichen Verletzungen liegen blieb. Die Frau, die mit ihr ausgestiegen war, blieb unverletzt. Auch die drei Pferde, die in dem Transporter standen, überstanden den Aufprall wohl unverletzt.

Der 24-jährige Fahrer des niederländischen Lkw erlitt, ebenso wie die Mitfahrerinnen des Transporters, einen Schock.

Mit dem Alarmstichwort „Schwerer Verkehrsunfall, mehrere Personen eingeklemmt, mehrere Fahrzeuge beteiligt“ wurden zahlreiche Rettungskräfte aus Melsungen, Guxhagen, Homberg und der Rettungshubschrauber aus Göttingen zu der Einsatzstelle alarmiert.

Als erstes waren Rettungswagen und Notarzt aus Melsungen an der Unfallstelle. Mittlerweile hatte sich schon ein kilometerlanger Stau gebildet. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle kamen die Helfer an ein Trümmerfeld. Wrackteile des Wohnwagens waren auf einer Länge von mehreren Hundert Metern auf der Fahrbahn verteilt. Die schwer verletzte Frau lag unter der Anhängerkupplung zwischen Zugmaschine und Wohnwagen. Sie wurde dort bereits von der Notärztin behandelt, bevor sie von den Sanitätern und der Feuerwehr aus ihrer Notsituation befreit und im Rettungswagen behandelt werden konnte. Sie wurde anschließend mit dem Rettungshubschrauber in eine Kasseler Klinik geflogen.

Die Feuerwehrleute trennten mit einem Schneidgerät den Anhänger von der Zugmaschine. Dann wurde der Pferdetransporter mit Begleitung von Feuerwehr und dem zuständigen Veterinär des Schwalm-Eder-Kreises, der ebenfalls zur Unfallstelle gerufen worden war, zu einem Bauernhof bei Guxhagen gebracht. Dort wurden die Pferde, die mit ihren Reiterinnen auf dem Weg zu einem Turnier in Warendorf waren, in Pferdeboxen untergestellt und versorgt. Der Tierarzt begutachtete die Tiere.

Noch vor dem Notarzt leistete ein Lkw-Fahrer Erste Hilfe an der Unfallstelle. Er war auf der Südfahrbahn unterwegs gewesen und hatte den Unfall bemerkt. Per Handy alarmierte er Polizei und Feuerwehr, dann lief er über die Fahrbahnen und kümmerte sich um die Frau, die unter dem Anhänger lag.

Viele fuhren vorbei und gafften

Wie er der Feuerwehr erschüttert berichtete, fuhren direkt nach dem Unfall weit mehr als 100 Fahrzeuge an der Unfallstelle vorbei, ohne anzuhalten. Er berichtete zudem, dass aus vielen Fahrzeugen, teilweise sogar von den Fahrern, Handyaufnahmen gemacht wurden. Geholfen worden sei aber nicht.

Schwerer Unfall auf A7: Lkw fuhr in stehendes Gespann

Insgesamt waren an der Unfallstelle drei Notärzte, drei Rettungswagen, 32 Feuerwehrleute mit sieben Fahrzeugen, der Organisationsleiter des Rettungsdienstes, der leitende Notarzt, der Veterinär des Schwalm-Eder-Kreises sowie zahlreiche Kräfte von Polizei und die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei von Hessen Mobil sowie ein Gutachter eingesetzt.

Während der Rettungs- und Aufräumarbeiten wurde die Autobahn in Richtung Nord für mehrere Stunden voll gesperrt. Es bildete sich ein langer Stau. An der Anschlussstelle Melsungen wurde der Verkehr von der A7 abgeleitet. Der Stau reichte bis weit hinter die Anschlussstelle Malsfeld. Auch auf den Umleitungsstrecken bildeten sich lange Staus. Zur genauen Feststellung der Unfallursache wurde von der Polizei ein Gutachter hinzugezogen. Nach seinen ersten, vorsichtigen Schätzungen, beträgt der Schaden etwa 25.000 Euro. Polizisten schätzten hingegen einen Schaden von 40.000 Euro am Lkw und 15.000 Euro am Wohnanhänger. (zot)

Warum voll gesperrt?

Uns erreichte gegen Mittag eine Mail von Familie Engelfried (unterwegs von München nach Hamburg), die im Stau kurz vor der Unfallstelle stand. Viele Autofahrer reagierten mit Unverständnis, warum nicht zumindest eine Spur freigegeben und damit die Vollsperrung aufgehoben wurde. Die Autobahnpolizeistation Baunatal erklärte dazu auf Frage unserer Zeitung, dass der Gutachter die Unfallstelle aus verschiedenen Perspektiven in Augenschein nehmen und fotografieren müsse. Um ihn und die Einsatzkräfte nicht in Gefahr zu bringen, müssten noch alle Spuren gesperrt bleiben. Die gute Nachricht für die Autofahrer gab es kurz darauf: Gegen 13 Uhr sollte das Unfallfahrzeug abtransportiert sein und eine Fahrspur freigegeben werden, eine Stunden später die komplette Autobahn. (ddd)

Am Mittwoch hatte es auf der A7 bei Northeim ebenfalls einen schweren Unfall gegeben.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Wenderoth

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