Schwertfechten wie im Mittelalter: Verein trainiert in Treysa

Kampf in Schutzausrüstung: Beim Training tragen die Schwertkämpfer wegen der Verletzungsgefahr Schutzkleidung.

Ein Mal in der Woche klirren in der Turnhalle des Schwalmgymnasiums in Treysa die Schwerter: Die Mitglieder der Gruppe gehören dem Verein „Schwertfechten Nordhessen“ an. Ihr Ziel ist es, historische europäische Kampfkünste authentisch wiederzubeleben.

„Dazu gehört auch die Quellenkunde“, erklärt Daniel Helfert, der Leiter der Gruppe. Als Vorlagen dienen historische Fechtbücher und Handschriften bekannter Fechtmeister, etwa Peter von Danzig. Er hinterließ die umfangreichste Sammlung aus dem Jahre 1452. In ihr belegt sind alle mittelalterlichen Kampfkünste verbunden mit mittelalterlicher Gebrauchsprosa.

„Wir lesen die Texte und rekonstruieren die Technik - mit Einbeziehung des kulturhistorischen Hintergrundes“, sagt Helfert. „Wir wollen wissen, wie es wirklich war.“ In Europa seien die Kampfkünste vergessen worden. „Dabei haben sie eine ähnliche Tradition wie etwa die asiatischen Kampfkünste.“ Die Mitglieder des Vereins suchten nach den europäischen Wurzeln.

Im Mittelpunkt des Trainings steht das Fechten mit dem langen Schwert - wobei es sich um ungeschliffene Waffen handelt. Im Training verwandt wird die Fechtfeder. Weitere Waffen sind das lange Messer - bekannt als die „Waffe der Bauern“ - der Dolch und das Rapier.

Die Techniken des langen Messers überlieferte Pfarrer Lecküchner im 15. Jahrhundert. Der Dolch wird im Training durch Holzimitate ersetzt. Das Rapier ersetzte quasi das Schwert. Es war insbesondere beim Adel und dem Großbürgertum „schick“, mit dem Rapier gegürtet zu sein.

Die Schwertfecht-Szene entwickele sich seit den 1990er-Jahren, erläutert Helfert. Wie in anderen Kampfsportarten, steht im Training nicht nur die Technik im Fokus. „Fechten erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Man muss sich mit sich selbst und seinen Ängsten beschäftigen“, ist der Leiter überzeugt. Bis die Grundlagen säßen, sei mindestens ein Jahr Training nötig. Wer das Fechten konsequent trainiere, merke schnell, dass die Schlachten in den Hollywoodfilmen wenig authentisch seien.

„Die Kampfkunst des Mittelalters war vielschichtig und hatte eine hohe Qualität“, sagt der Treysaer. Hans Talhoffer - ein Lohnkämpfer - überlieferte Fechthandschriften, in denen der Gerichtskampf dokumentiert ist. Er diente zur Klärung von Streitigkeiten unter Rittern und Bürgern. Die Entscheidung wurde als Gottesurteil angesehen. Hier sei auch belegt, dass nicht nur Mann gegen Mann kämpfte, sondern auch Mann gegen Frau.

Allein die Grundlagen zu erlernen, ist herausfordernd: Neben der Waffenhaltung ist Beinarbeit gefragt. Trainiert wird nach der deutschen Schule. „Letztlich kommt es darauf an, dass beim Kämpfer die Bewegungen in Fleisch und Blut übergehen“, sagt Andreas Schmelzer.

- In Treysa findet das Training mittwochs, 19 Uhr, in der Turnhalle des Schwalmgymnasiums.

www.schwertfechten-nordhessen.de

(zsr)

Quelle: HNA

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