„Das ist alles besser, als tot zu sein.“

Sebastian Menge aus Balhorn rettet Kanadier mit Stammzellen das Leben

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Zu Besuch bei seinem Lebensretter: Renee und Allan Malcolm (von links) trafen sich am Wochenende erstmals mit Sebastian Menge und Sabrina Alheid. Menge hatte dem Kanadier mit einer Stammzellenspende das Leben gerettet. 

Balhorn/Großenritte. Vor einigen Jahren ließ sich Sebastian Menge aus Balhorn bei einer Aktion in Wolfhagen als Stammzellenspender registrieren. 

Der Frau, für die die Aktion damals ins Leben gerufen wurde, konnte er damit nicht helfen. Doch vor gut zweieinhalb Jahren klingelte sein Telefon, sein Blut wurde gebraucht. Menge zögerte nicht - und rettete Allan Malcolm aus Kanada damit das Leben. Jetzt trafen sich die beiden zum ersten Mal.

Zahlreiche Tests machte Sebastian Menge in einer Klinik in Frankfurt, bevor endgültig klar war, dass sein Blut passt - und er die Spende körperlich unversehrt übersteht. „Damals wusste ich noch nicht, an wen die Spende geht“, sagt Menge.

Als im Herbst 2013 das Okay aus Deutschland kam, begann für Allan Malcolm tausende Kilometer entfernt in Kanada eine Chemotherapie, die sein komplettes Blutbild zerstören würde. Die lebensrettende Flüssigkeit wurde deshalb so schnell wie möglich nach Amerika geflogen. „Ich hatte wenig zu verlieren, aber viel zu helfen“, sagt der 28-Jährige, der aus Balhorn stammt und jetzt mit seiner Freundin Sabrina Alheid in Großenritte lebt.

Die Krankheit von Allan Malcolm hatte sich schon 2011 gezeigt. „Ich fühlte mich krank, aber ein halbes Jahr lang wusste niemand, was mir fehlt“, sagt der 42-Jährige. Schließlich kam die Diagnose: ein Lymphom, also ein Tumor am Lymphgewebe. Nach der Chemotherapie folgte die zweite Schocknachricht: Leukämie. „Das konnte man nur teilweise behandeln, weil ich zu schwach war“, sagt Malcolm. Zwei Schwestern und einen Bruder hat der Kanadier, doch für eine Stammzellenspende kamen sie alle nicht infrage. „Meine Söhne waren damals sieben und zehn Jahre alt und ich musste ihnen sagen, dass ich vielleicht nicht mehr aus dem Krankenhaus nach Hause komme.“

Als die Blutspende aus Deutschland eintraf, ging es zunächst wieder bergab. Der Körper wollte das fremde Blut nicht, Malcolm bekam eine Lungenembolie. Zwei Mal, sagt der Vater, wäre er beinahe gestorben. Doch die Ärzte in Kanada haben die Probleme in den Griff bekommen.

„Das ist alles besser, als tot zu sein.“

Das erste Mal Kontakt hatten Menge und Malcolm kurz vor Weihnachten 2015. Zwei Jahre lang dürfen die Daten von Spender und Empfänger nicht herausgegeben werden, danach nur, wenn beide ihr Einverstädnis geben. Sebastian Menge und Sabrina Alheid schickten eine Weihnachtskarte, und schon einen Tag später antworteten Allan und seine Frau Renee Malcolm mit einer Mail. „Danach schrieben wir uns oft bei Facebook, wir haben uns gleich gut verstanden“, sagt Menge.

Schnell kam der Gedanke, zu einem Besuch nach Deutschland zu fliegen. Am Freitag ist das Ehepaar angekommen und traf erstmals Allan Malcolms Lebensretter. „Ich bin mehr als dankbar“, sagt Malcolm. „Sebastian gehört jetzt zu meiner Familie.“

Der 42-Jährige ist fit, doch die Chemo hat Spuren hinterlassen. Malcolm hat Probleme mit den Füßen und den Augen, seine Lungenfunktion liegt nur noch bei 65 Prozent. „Aber das ist alles besser, als tot zu sein.“

Sebastian Menge hofft nun, dass sich mehr Menschen typisieren lassen und somit helfen, Leben zu retten. „Es ist so einfach“, appelliert er. Und wenn man helfen konnte, so sagt er, ist das ein „sehr gutes Gefühl.“

Hier registrieren lassen

Sebastian Menge hat sich über die Deutsche Stammzellenspenderdatei registrieren lassen. Dort können sich Spender zwischen 18 und 40 Jahren typisieren lassen. Für (Berufs-)Schüler und Studenten ist das meist kostenlos, alle anderen sollen die Kosten von 40 Euro übernehmen.

Gebraucht werden Stammzellenspenden bei Blutkrebs, beispielsweise Leukämie. Dabei wird die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von entarteten weißen Blutzellen gestört. Das Blut kann wegen der Krebszellen nicht mehr seine eigentlichen Aufgaben ausführen. Nach einer Spende gelangen die Stammzellen in die Knochenhohlräume des Patienten und bilden dort neue Blutzellen.

Weitere Informationen zum Stammzellenspenden gibt es hier

Quelle: HNA

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