Gudensberger Ehepaar fährt 15.000 Kilometer mit dem Oldtimer

Seidenstraßen-Rallye: Zwei Monate, sieben Länder, ein Ziel

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Erleichtert: Hanni Baier-Wieden im 53 Jahre alten Alfa Romeo auf dem 3600 Meter hohen Taldyk-Pass, dem höchsten Punkt der Reise. Die dünne Höhenluft machte dem Oldtimer ganz schön zu schaffen.

Wer glaubt, dass Oldtimer-Freunde ihren Wagen nur in der Garage stehen haben, um mit ihm an ein paar Sonnentagen einen kleinen Ausflug zu machen, den belehren der Gudensberger Verleger Peter Wieden, seine Frau Hanni Baier-Wieden und weitere 19 Zweier-Teams in diesem Herbst eines Besseren.

Sie befahren die legendäre Seidenstraße (Silk Road) von Istanbul nach Schanghai. Peter Wieden: „Vermutlich treibt uns die Neugier nach dem Anderen zu solchen Unternehmungen.“

Bedingung für die Teilnahme an der Silk-Road-Rallye, die am 2. September begann und über 14 000 Kilometer durch sechs Länder führt: Jeder Wagen muss mindestens 40 Jahre alt sein. Als wäre dies nicht geschichtsträchtig genug, können die Wiedens noch eins draufsetzen: Den Alfa Romeo, mit dem sie durch Wüsten, Steppen und hohe Gebirge unterwegs sind, schenkte der Schauspieler Marcello Mastroianni seiner Kollegin Anita Ekberg 1960 anlässlich der Premiere des Films „La Dolce Vita“ (Regie: Federico Fellini). Peter Wieden hat das Gefährt erst 2010 übers Internet in Insbruck entdeckt und gekauft.

Damals und heute. Mit Kamelen bewegte sich schon Marco Polo auf der Seidenstraße fort.

Die Silk-Road- Rallye ist kein Rennen, sondern eine Zuverlässigkeitsfahrt. Der Weg ist das Ziel, und die Zuverlässigkeit der Oldies wird schon bald nach dem Start auf eine ernste Probe gestellt, die Wieden wie folgt beschreibt: „Die Straße ist weg, nur noch Löcher... Jeder muss selber sehen, wie und wo er fährt.“ Wie sich herausstellt, ist dies aber nur der Auftakt, denn nach der Grenze Russland/Kasachstan werden aus den Löchern über hunderte von Kilometern Krater.

Die ersten Fahrzeuge bleiben liegen. Sie werden auf Abschleppwagen, die dem Tross folgen, gehoben und in der nächsten großen Stadt repariert. Wieden: „Was wie eine Kaffeefahrt begann, wurde zum Höllenritt.“

Was wie eine Kaffeefahrt begann, wurde zum Höllenritt.

Kaum werden die Straßen in Usbekistan wieder besser, gibt es ein anderes Problem: Die Usbeken fahren mit Gas und in der Wüste gibt es ohnehin keine Tankstellen. Doch auch hier gibt es eine Lösung, und die heißt Schwarzmarkt.

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Nachdem der Alfa den 3600 Meter hohen Taldyk-Pass ebenso bewältigt hat wie die Wüste Gobi und die Hotels am Ende der Tagesetappen wieder besser werden, stellt sich auf den besser geteerten Straßen Chinas über einen Monat nach dem Start erstmals „eine gewisse Lässigkeit“ ein. „Natürlich war es anstrengend, doch wir lieben das Abenteuer“, resümiert Wieden die letzten Wochen und staunt, wie viele Millionenstädte es in China gibt, von denen man noch nie gehört hat.

An diesem Wochenende wollen die Gudensberger Shanghai erreichen.

Legendäre Route: Die Seidenstraße

Auf der "Piste" in Usbekistan. Hier gelten keine Verkehrsregeln. Das stärkste Auto setzt sich durch, der Rest muss sehen, wo er bleibt (bzw. fährt).

Die Seidenstraße (englisch: Silk Road) gilt als eine der ältesten Handelsrouten der Welt. Sie führt von der Türkei über Russland, Kasachstan, Usbekistan und Kirgisien nach China. Die erste Karawane mit kostbarer Seide soll etwa um das Jahr 100 vor Christus von Xi’an (China) ans Mittelmeer gezogen sein. Eine Karawanenreise von China bis nach Europa dauerte damals etwa sechs bis acht Jahre. Transportiert wurden auch Gewürze, Gold, Glas und Porzellan. Im 13. Jahrhundert nutzte Marco Polo die Seidenstraße für seine Handelsreise nach China.

Erst 1877 taufte der deutsche Baron Ferdinand von Richthofen die Handelsroute auf den Namen „Seidentraße“. Heute zieht die Seidenstraße viele Touristen an, die die Route mit Autos, per Zug, via Kamelkarawanen oder zu Fuß erkunden. (jbg)

Hintergrund: Hier können Sie die Reise nacherleben

Peter und Hanni Wieden berichteten von unterwegs über ihre Erlebnisse auf Facebook und in einem Blog bei Tumblr. Fast täglich – wenn es die Internetverbindung zuließ – gab es ausführliche Berichte zur Route, Informationen zu den Ländern, die sie durchquerten, sowie zu den Menschen, die sie trafen. Viele Bilder untermalen die Erlebnisse. (jbg)

Der Blog bei Tumblr: www.pwieden.tumblr.com

Die Reise bei Facebook: www.facebook.com/peter.wieden94

Zur Person

Peter Wieden, geboren 1953 in Dassel, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann und studierte anschließend an der Universität Kassel Betriebswirtschaft und Sozialpädagogik. Von 1980 bis 1984 arbeitete er als Stadtjugendpfleger in Gudensberg. Ein von ihm herausgegebener historischer Bildband über den Kasseler Stadtteil Harleshausen wurde ein solcher Erfolg, dass er den Arbeitsplatz bei der Stadt aufgab, um sich künftig der Publikation regionaler und historischer Bildbände und Büchern zu widmen. Seit 1984 hat der Wartberg-Verlag 2000 Titel herausgegeben.

Mit Hanni Baier-Wieden, ebenfalls 1953 geboren, die ihn auf der Seidenstraßen-Tour begleitet, ist Wieden seit 1982 verheiratet. Gemeinsame Hobbys sind Reisen, Oldtimer-Rallys und Bergwandern.

Quelle: HNA

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