Borkener bildet im afghanischen Kundus Polizeianwärter aus 

Borken. Antonio Cervellera könnte es sehr viel bequemer haben. Er müsste sich nicht in einem überfüllten Lager ein winziges Zimmer mit einem Kollegen teilen, sondern könnte daheim bei seiner Familie wohnen.

Er müsste auch nicht bei extremen Temperaturen und extrem einseitiger Kost einen extrem gefährlichen Job machen. Aber Cervellera will genau das. Er will sein, was er ist: Polizeiausbilder in Afghanistan.

Der 45-Jährige aus Borken ist seit Januar in Kundus im Einsatz, bildet dort im Sechs-Wochen-Takt jeweils 120 Afghanen, darunter viele Männer und wenige Frauen, zu Polizisten und zu Ausbildern aus. Für Cervellera ist das eine erfüllende und vor allem wichtige Aufgabe. „Aus Afghanistan liest man nur von Attentätern und Taliban - aber nur selten von der Aufbauarbeit, die wir dort leisten.“

Eine große Herausforderung

Allein mit dem Bohren von Brunnen und dem Bau von Schulen sei die Lage in Afghanistan nicht wirklich zu verbessern: „Das Land braucht vor allem Polizisten und mehr Sicherheit, wenn es auf die Beine kommen soll.“ Leicht sei es nicht, den Polizeianwärtern binnen sechs Wochen das Basiswissen für die neue Arbeit mitzugeben.

Die meisten fangen bei Null an: „Viele kommen direkt vom Feld, haben nicht einmal Gepäck dabei“, berichtet der Borkener. Zu vielen Menschen im Camp hat er einen guten Kontakt entwickelt: „Es hat längst nicht jeder Afghane einen Sprengstoffgürtel um.“ Cervellera ist zurzeit im Heimaturlaub und hat zwei Wochen mit seiner Frau Simone und den beiden Kindern verbracht. Morgen fliegt er zurück nach Kundus. Das letzte Mal, denn im Januar ist sein Auslandseinsatz zu Ende.

Der 45-Jährige ist der einzige Polizist im Schwalm-Eder-Kreis, der zurzeit in Afghanistan ist. Er hat sich nicht für die Aufgabe beworben, weil er ein Abenteuer suchte, sondern weil er bereit war, eine Herausforderung anzunehmen. Cervellera weiß auch, dass viele derer, die er zum Polizisten ausbildet, während ihres Dienstes sterben werden. „Polizist in Afghanistan: Das ist der gefährlichste Beruf der Welt“, sagt er.

Wenn man das hört, kann man sich vorstellen, dass seine Frau Simone froh ist, wenn dieses Jahr zu Ende und das Kapitel Kundus abgeschlossen ist.

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Quelle: HNA

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