Als Erschrecker in der Geisterbahn

Ein Tag als Kettensägenmönch: Selbstversuch auf dem Pferdemarkt

Bei der Arbeit: Volontär Benjamin Kling als Erschrecker

Fritzlar. Kutte an, Maske auf und Kettensäge ein – los geht das Kindererschrecken in der Geisterbahn auf dem Festplatz. Der Fritzlarer Pferdemarkt ist am Donnerstag eröffnet worden, und wie jedes Jahr strömen zahlreiche Besucher auf das Volksfest. Ein Selbstversuch von HNA-Volontär Benjamin Kling.

Sie wollen sich amüsieren und mit den Fahrgeschäften fahren. Die Schausteller und ihre Mitarbeiter unterhalten jedes Jahr Kinder und Erwachsenen mit ihren Buden und Attraktionen.

Zum 132. Pferdemarkt habe ich mir überlegt, den Betreibern mal zur Hand zu gehen und in der Geistervilla die Besucher zu erschrecken.

Der Arbeitsplatz: In der Geistervilla auf dem Pferdemarkt in Fritzlar wird kräftig gespukt. Foto: Zerhau

Meine neuen Arbeitskollegen dort sind neben Hannibal Lecter, Chucky, die Mörderpuppe und diverse andere Gruselgestalten. Von einem Mitarbeiter des Fahrgeschäfts bekomme ich die verschiedenen Kostüme gezeigt, mit denen die Besucher erschreckt werden. Neben einer mit Nägeln gespickten Hellraiser-Maske gibt es noch eine Version mit blutverschmiertem Gesicht und eine mit Narben und Verletzungen. Ich entscheide mich aber für die Variante des verrückten Kettensägenmönchs mit langen, verfilzten Haaren, vergilbten Zähnen und einer Kettensäge als Arbeitswerkzeug.

Auf die Plätze, fertig, Spuk: HNA-Volontär Benjamin Kling bei der Vorbereitung für seinen ersten Einsatz als professioneller Kettensägenmönch in der Geisterbahn. Fotos: privat

Ich finde meinen neuen Arbeitsplatz in einer dunklen Ecke und warte dort zwischen einem Skelett und einem Geist darauf, dass ein Wagen mit Fahrgästen um die Ecke kommt. Sobald ich ihre Umrisse erkenne, springe ich vor, lasse meine Kettensäge aufheulen und schwinge laut schreiend mein Tötungswerkzeug in Richtung der Besucher. Das ist, was sie sehen wollen und wofür sie bezahlt haben. Danach ist erst einmal Ruhe. Ich stehe in der Dunkelheit und warte auf meine nächsten Opfer.

Währenddessen wird es in der Geistervilla immer wärmer. Die Mönchskutte, die ich trage, wird während der Wartezeit schwerer, und ich beginne zu schwitzen. Unter der Gummimaske bekomme ich nur schwer Luft. Außerdem wird die laufende Kettensäge in meiner Hand scheinbar schwerer. Aber ich warte weiter auf den nächsten Wagen. Als dieser dann kommt, beginnt das Erschrecken wieder von vorne: Vorspringen, Kettensäge schwingen, aufschreien.

Ich beginne, Respekt für die Schausteller zu entwickeln, die sich Tag für Tag zur Unterhaltung der Marktbesucher verkleiden. Das ist anstrengender, als es aussieht.

Mein persönliches Fazit nach meinem Einsatz als kettensägenschwingender Mönch: Wenn die Kinder sich erschreckt haben, habe ich meinen Job gut gemacht. Wenn sie nachts wegen mir nicht schlafen können, war ich großartig.

Von Benjamin Kling

Quelle: HNA

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