Nur Juli 2002 war noch nasser

Selten hat es in einem Juli im Schwalm-Eder-Kreis so viel geregnet

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Mit Regenschirm schwimmt´s sich´s besser: Kurt Schade mit Schirm im Melsunger Waldschwimmbad. Der 73-Jährige kommt täglich und schwimmt 1000 Meter. Er war dieser Tage manchmal der einzige Gast.

Schwalm-Eder. Der vorige Monat war so nass wie kaum ein anderer Juli, der in den vergangenen Jahrzehnten in der Region gemessen wurde.

Fallen im Landkreis sonst im Juli etwa 55 Liter pro Quadratmeter, so rauschten in diesem Jahr 130 Liter auf den Quadratmeter.

„Das sind extreme Niederschlagsmengen“, sagt Diplom-Meteorologe Günter Fickenscher aus Fritzlar: Nur der Juli 2002 sei noch nasser gewesen, damals prasselten binnen vier Wochen 140 Liter auf die durchweichten Böden.

Die aber können auch in diesem Jahr kein Wasser mehr aufnehmen: Allein am 8. und 9. Juli fiel mit 71 Litern Regen mehr als die Hälfte des gesamten Monatsaufkommens. Dieses Phänomen hänge mit dem Klimawandel zusammen und werde zur Regel werden: meint Fickenscher: „Es wird mehr Niederschlag fallen - allerdings in geballter Form.“ Der Fritzlarer Wetterexperte ist sich sicher: Die Sommer werden künftig von langen Trockenperioden und heftigen Regengüssen geprägt.

Doch trotz des gefühlten Dauerregens sei dieser Juli überdurchschnittlich warm gewesen: Immerhin habe er statt der durchschnittlichen vier heißen Tage gleich zwölf Tage geboten, an denen das Thermometer auf über 30 Grad anstieg.

Für die Landwirte bedeute diese unbeständige Wetterlage vor allem, dass sie die Ernte unter deutlich erschwerten Bedingungen einfahren müssten, sagt Stefan Strube vom Regionalbauernverband Kurhessen. Zum einen seien die durchweichten Böden nur schwer für Mähdrescher und Trecker befahrbar, zum anderen gebe es auch kaum einen durchgängig trockenen Tag: „Die Bauern liegen noch immer auf der Lauer, um endlich ernten zu können.“

Der Wasserverband Schwalm hat in diesem Jahr zum ersten Mal seit 52 Jahren den Niederschlag eingestaut - sonst wäre es zu Überschwemmungen gekommen. (bra)

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Quelle: HNA

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