Feuchtbiotop Glockenborn

Sensation: Im Altkreis Wolfhagen siedeln sich Störche an

Bründersen. "Das ist eine Sensation und hat es seit Jahrhunderten nicht gegeben", sagt Naturschutzexperte Lothar Nitsche aus Zierenberg. Erstmals siedelt sich ein Storchenpaar im Altkreis an.

Nach der Schaffung des Feuchtbiotops zwischen Wolfhagen und Bründersen im Jahr 2004 sind dort immer mehr Vogelarten heimisch geworden.

„Bisher haben wir die Weißstörche nur auf der Durchreise im Glockenborn erlebt“, sagt Dieter Engelhardt vom Vorstand der Naturschutzgruppe Wolfhagen-Naumburg (NABU).

Auf diesen Moment haben Naturschützer sowie die Verantwortlichen bei der Stadt Wolfhagen, der Naturschutzbehörde und dem Forstamt zehn Jahre gewartet. Als der Glockenborn angelegt wurde, ließ man zwei Strommasten stehen. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt ein naturgetreues Nest nach gebaut. Seit einigen Tagen sitzt das Storchenpaar nun im Horst.

„Der männliche Storch versorgt das Weibchen mit Futter“, so Engelhardt. Alle hoffen, das die beiden auch wirklich brüten. „Eigentlich sind sie schon ein bißchen spät dran“, meint der Naturschützer, der das Nest auf der Rinderwiese mit Argusaugen überwacht. Scharenweise kommen Schaulustige vorbei.

Störche im Kreis Kassel gibt es laut Sprecher Harald Kühlborn sonst nur in Niestetal. An der Weser bei Reinhardshagen habe sich in diesem Jahr kein Storch blicken lassen. Im Glockenborn hat sich in den vergangenen Jahren eine vielfältige Vogel-, Amphibien- und Pflanzenwelt gebildet. Außerdem ist das Feuchtbiotop wichtiger Trittstein für die Vogelwanderungen geworden. Fast noch seltener als die Störche sei das Blaukehlchen, sagt Engelhardt.

Im Glockenborn brütet der Vogel seit zwei Jahren. Die regionalen Arten- und Naturschutzprojekte zeigten Wirkung, erklärt Forstamtsleiter Uwe Zindel angesichts der neusten Entwicklung am Glockenborn. Auch Schwarzstörche, Wildkatzen und seltene Käfer vermehrten sich und der Luchs sei zurück.

Jahrelanges Warten hat ein Ende

„Na bitte, die Ankunft der Störche ist ein klares Signal gegen den demografischen Wandel in Wolfhagen“, scherzt Bürgermeister Reinhard Schaake gut gelaunt angesichts der neuen Bewohner im Glockenborn. „Jahrelang haben wir gewartet und nichts hat sich getan. Der Horst blieb leer.“

Stephan Schmidt vom städtischen Umweltmanagement hat im März vergangenen Jahres die Nisthilfe auf dem ehemaligen Strommasten angebracht. „Die bisherigen Wagenräder waren zu wackelig, da wollte kein Storch bleiben“, sagt er. „Wir haben extra einen Bausatz besorgt.“ „Nachdem die Wohnung hübsch tapeziert war, haben sich die Störche dafür interessiert“, sagt Axel Krügener von der Oberen Naturschutzbehörde, der für die Schutzgebiete im Kreis zuständig ist.

Im Glockenborn würden die Störche ein großes Nahrungsangebot vorfinden, meint Schmidt, der jeden Tag nach den Störchen schaut. Das im Altkreis einzigartiges Feuchtbiotop wird vom Wasser des Glockenborns gespeist, einer Quelle, die über viele Jahrzehnte die Menschen in der Wolfhager Kernstadt mit Trinkwasser versorgte, aber dank der Vorräte im Stadtwald überflüssig wurde.

 Die Schüttung dieser Quelle war damals stark genug, innerhalb kürzester Zeit den ersten See zu füllen. Ende 2006 lief der zweite See mit Wasser voll. 350 bis 750 Kubikmeter gluckerten Tag für Tag durch den Überlauf. 30.000 Kubikmeter fassen die beiden Becken auf dem 23-Hektar-Gelände insgesamt. Das Land Hessen machte für das Projekt 57.000 Euro locker.

Konzipiert wurde die Fläche nicht nur als Naturschutzfläche für Wasservögel und Kleinlebewesen, sondern auch für den Hochwasserschutz. Zu der vorhandenen Wassermenge können weitere 30000 Kubikmeter bei starken Regenfällen fließen. Ein Puffer, der verhindern soll, dass es in der Wolfhager Vorstadt bei Sturzbächen nasse Füße gibt. Für die Schaffung des Biotops hatten sich seinerzeit die bereits verstorbenen Wolfhager, der frühere Forstamtsleiter Rudolf Hoffmann und sein Stellvertreter Helmut Hoeppe stark gemacht.

Viele Storchenbabys dieses Jahr gestorben

Das Storchenpaar im Glockenborn ist eine Sensation, sagt Axel Krügener von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel. Zwar hätten alle gehofft, dass einmal der Weißstorch zurück kehrt, so richtig daran geglaubt habe man aber nicht. Die Entwicklung des Glockenborn sei eine Erfolgsgeschichte für die Region. Damals sei der Glockenborn ein unscheinbares Wiesengelände gewesen.

„Viele haben sich gefragt, wofür eigentlich die Naturschutzschilder dort standen.“ Da hätten die Naturschutzbehörde, das Forstamt und die Stadt Wolfhagen erfolgreich kooperiert. Krügener hofft, dass die Störche auch wirklich brüten. Denn dieses Jahr schätze man, dass durch die schlechte Witterung, die Hälfte der Jungstörche in Hessen gestorben sei.

Gute Chance

Wenn das Glockenbornpaar nun mit seinem Brutgeschäft später dran sei, hätten die Jungen bei besserem Wetter eine größere Chance zu überleben. Auch wenn es in diesem Jahr nicht mehr klappt: Haben die Störche erst einmal den Horst für sich ausgesucht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie im nächsten Jahr wieder kommen und dann auch brüten, erklärt Krügener. (ewa)

Quelle: HNA

Kommentare