Wälle und Gräben im Untergrund

Sensation: Über 800 Jahre alte Stadt bei Wolfhagen entdeckt

+
Archäologie per Laser: Am Computer entsteht ein Bild, in dem kleinste Geländeversprünge sichtbar werden. 

Wolfhagen. Eine unbekannte Stadtwüstung unterhalb der Burgruine Rodersen bei Wolfhagen hat Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel entdeckt. Die Nachricht ist eine Sensation.

Nur ein Dutzend solcher Plätze gebe es in Hessen. Das Besondere: Die Stadt, die er Rodersen nennt – passend zur Burg - sei noch älter als die bekannte Wüstung Landsberg, die sich in der Nähe befindet. Nach Meinung Sippels ist Rodersen um 1200 entstanden, frühestens im Jahr 1180.

Mit der Idee einer Stadtgründung am Erpebach beschäftigte sich Sippel schon länger. Während einer Exkursion im Jahr 2005 hatte er seinen Verdacht erstmals öffentlich geäußert. Belege gab es keine. Seine Theorie stützte sich auf die Wälle, die von der Burgruine Rodersen im Wald ins Tal hinab verlaufen und noch heute sichtbar sind.

Im Jahr 2015 machte der Bezirksarchäologe eine Entdeckung. Zwischen Waldrand und Erpe hatten Arbeiter eine Flutmulde ausgebaggert. „Dabei war eine Schicht mit viel gebranntem Hauslehm angeschnitten worden“, sagt er. Zudem habe er ein Keramikrandstück aus dem frühen 13. Jahrhundert gefunden. Das sei ein wichtiger Hinweis auf eine Besiedelung gewesen. Schließlich wurde das Gelände aus der Luft gescannt. Das so erzeugte digitale Geländemodell machte weitere Umrisse Rodersens deutlich.

Die Ausdehnung der Wallanlage gibt der Archäologe mit 320 mal 260 Metern an, die bebaubare Innenfläche betrage sechs Hektar. Etwa 350 Menschen, so seine Schätzung, hätten dort gelebt. Doppelt so viele hätten Platz gehabt. Sippel glaubt, dass Rodersen rasch aufgegeben wurde. Zwar habe die Stadt nah an der Burg gelegen. Im Tal aber habe es keinen natürlichen Schutz gegeben. Die Häuser standen feucht und waren der Gefahr von Überschwemmungen ausgesetzt. Auch habe es kaum Erweiterungsmöglichkeiten gegeben.

Bauherren der bekannten Wüstung Landsberg und des älteren Rodersen waren die Eversteiner und die von Roderikessen. Sie waren die Verbündeten des Erzbischofs von Mainz. Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel vermutet, dass der Bau beider Städte noch ohne Beteiligung der Grafen von Waldeck geschah. Bevor die Städte errichtet wurden, war im 12. Jahrhundert die Burg Rodersen erbaut worden. Wolfhagen ist jünger und wurde von Konrad, Bruder des Thüringer Landgrafen Heinrich Raspe, gegründet. Nach Meinung Sippels geschah dies im Jahr 1231. Die Zerstörung Landsbergs geht auf Konrad zurück. Die Thüringer und Mainzer hatten damals erbitterte Machtkämpfe geführt. (ant)

.

Quelle: HNA

Kommentare