Serie: Kriminalfälle im Landkreis

Mit Wäscheleine erdrosselt - Karl-Heinz A. tötete 1978 Josef K.

Geständnis: In einer Vernehmung durch Beamte der Kriminalpolizei Fritzlar gab Karl-Heinz A. zu, Josef K. mit einer Wäscheleine erdrosselt zu haben. Fotos: Schippers

Guxhagen. Als die Raumpflegerin Dora S. am 13. Februar 1978 den Flur des Hauses Poststraße 5 in Guxhagen betrat, machte sie eine grausige Entdeckung: Vor ihr lag ein toter Mann in einer Blutlache, die Füße auf den untersten Treppenstufen, eine Kunststoffleine um den Hals.

Bei dem Toten handelte es sich um Josef K. Er war Drogist in Guxhagen, sein Geschäft befand sich im Erdgeschoss des Hauses, seine Wohnung im dritten Stock.

Wie die HNA damals berichtete, stellte der Fall die ermittelnden Beamten auf eine harte Probe, denn über das Leben des verwitweten Josef K. war nicht viel bekannt. Daher war die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung zu seinem Privatleben angewiesen. Fünf Tage nach dem Verbrechen setzte die Staatsanwaltschaft Kassel eine Belohnung in Höhe von 3000 Mark für Hinweise aus, die zur Aufklärung des Mordes beitragen.

Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Einwohner am 23. Februar 1978. Er erinnerte sich, den 31-jährigen Karl-Heinz A. in einem Nachbarort mit einer blutigen Wunde gesehen zu haben.

Der Maurer, der in der Nachbarschaft von Josef K. lebte, war arbeitslos und hatte finanzielle Schwierigkeiten. Am 12. Februar sah er sich am Ende. Tags darauf verzehrte er seine letzten Lebensmittel, trank angeblich noch drei Flaschen Bier, ging gegen 12 Uhr zum Haus des Drogisten, schlich sich in das unverschlossene Haus und wartete auf dem Treppenpodest im Obergeschoss, bis K. seine Wohnung betrat. Dann klingelte A.

Als der ahnungslose K., der gerade sein Mittagessen kochte, die Tür öffnete, warf ihm der Täter eine Tischdecke über den Kopf, um unerkannt zu bleiben. K. riss sich das Tuch jedoch vom Kopf, sah den Maurer und fragte erstaunt, „Was willst du denn hier?“ Daraufhin schlug A. mit einer Vase zu, beide fielen zu Boden und rollten die Treppe hinunter. „Ich hatte Angst, dass er die Polizei rufen würde“, sagte A. später vor Gericht aus.

Er stemmte sich auf den blutenden Drogisten und erdrosselte ihn mit einer Wäscheleine, die er im Mantel bei sich trug. Nach eigenen Angaben hatte er die Leine bereits im Dezember 1977 von seinem Dachboden geholt, um sich damit zu erhängen. Er nahm dem Toten die Schlüssel aus der Hosentasche, durchstöberte Geschäft sowie Wohnung und fand 450 Mark und drei Schachteln Zigaretten.

In der Wohnung seines Opfers wusch er sich die Hände und schaltete den Küchenherd ab, auf dem noch das Mittagessen dampfte, das sich K. zubereitet hatte. Anschließend ging er nach Hause. Das berichtete die HNA vor 35 Jahren.

Vor Gericht sagte A. aus, er habe K. zwar berauben wollen, „aber ich wollte ihn nicht töten“. Das Kasseler Schwurgericht verurteilte ihn wegen Mordes und versuchter räuberischer Erpressung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

HINTERGRUND

Der Drogist Josef K. kam kurz nach dem Krieg nach Guxhagen. Dort betrieb er in der Poststraße eine Drogerie. Drei Jahre vor dem Mord an ihm war seine Frau gestorben. Seither zog sich K. sehr zurück, wohnte allein und hatte nur wenige Bekannte. Auch Ladenpersonal beschäftigte er keines. Die HNA schrieb damals: „Seine Kunden schildern den 58-Jährigen als sehr höflich und freundlich, aber doch als sehr verschlossen“.

Der zuletzt arbeitslose Karl-Heinz A. wohnte in einem Haus in der Bahnhofstraße in der Nachbarschaft von K. 1967 war er nach Guxhagen gezogen und hatte dort 1969 geheiratet. Mit seiner Frau, die 1972 starb, hatte er einen damals siebenjährigen Sohn. Der Maurer verlor seinen Arbeitsplatz, weil er zu langsam arbeitete und oft fehlte, beantragte aber kein Arbeitslosengeld und war daher immer in finanziellen Schwierigkeiten. Er borgte sich Geld von verschiedenen Personen, auch von seinem späteren Opfer: Noch wenige Tage vor dem Mord hatte A. in der Drogerie K. eingekauft und anschreiben lassen. (nis)

Von Nicole Schippers

Quelle: HNA

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