Sexueller Missbrauch: Jugendbetreuer in Vereinen brauchen Führungszeugnis

+
Schärfere Vorschriften: Jugendbetreuer in Vereinen müssen künftig erweiterte Führungszeugnisse vorlegen. Damit sollen die KInder und Jugendlichen besser geschützt werden.

Wolfhagen/Zierenberg. Die Vereine im Landkreis Kassel müssen jetzt von Jugendbetreuern erweiterte Führungszeugnisse vorlegen. „Grundlage ist eine Vorschrift aus dem Sozialgesetzbuch, die wir jetzt für die Vereine im Landkreis umsetzen müssen", erklärt Peter Soltau vom Fachbereich Jugend der Kreisverwaltung.

Hintergrund ist die Ende 2012 im Bundestag beschlossene Ergänzung des Jugendschutzgesetzes, nach sexuellen Übergriffen durch Jugendbetreuer auf Kinder und Jugendliche. Danach wurden die Jugendämter verpflichtet, sicher zu stellen, dass nur solche haupt- und ehrenamtlich in der Kinder- und Jugenbetreuer eingesetzt werden dürfen, die zuvor den verantwortlichen Trägern ein erweitertes Führungszeugnis vorgelegt haben.

Es gehe nicht um eine Gängelung der ehrenamtlich Engagierten und auch nicht deren Generalverdächtigung, sondern um die Enttabuisierung des Themas sexueller Missbrauch in der Kinder-und Jugendarbeit, sagt Soltau.

Qualitätsmerkmal 

Außerdem sollen vorbestrafte schwarze Schafe ausgefiltert werden. Die Vereinbarung werde damit zu einem Qualitätsmerkmal für die Kinder- und Jugendarbeit im Verein.

Wir können die Gründe für diese Regelung nachvollziehen und unterstützen die Sache auch, aber der bürokratische Aufwand ist immens.“

Erfasst werden dürfen nur Vorfälle aus dem Sexualstrafrecht, nicht aber zum Beispiel Verkehrsdelikte. Nach fünf Jahren muss ein neues Führungszeugnis vorgelegt werden. Weigert sich ein Übungsleiter, ein Führungszeugnis vorzulegen, darf der Verein ihn nicht mehr einsetzen.

„Wir können die Gründe für diese Regelung nachvollziehen und unterstützen die Sache auch, aber der bürokratische Aufwand ist immens“, sagt Kai Müller, Jugendleiter beim TSV Zierenberg. Man werde sich nach den Sommerferien um die Umsetzung kümmern. Neun Jugendbetreuer seien von der Regelung betroffen. „Es macht unsere Vereinsarbeit nicht leichter“, so Müller. Es sei ohnehin schwer Ehrenamtliche zu finden und die vielen Auflagen machten es nicht einfacher.

Dieser Ansicht ist auch Dietrich Hedrich, Vorsitzender des FSV Wolfhagen, bei allem Verständnis für die Neuregelung. „Bei uns müssen rund 160 Jugendliche betreut werden, da sind wir froh über jeden der sich ehrenamtlich engagiert“.

Hedrich hofft, dass sich niemand von der Neuregelung genervt fühlt. Hinzu komme der bürokratische Aufwand. „Wir müssen ja bei mehr als 20 Jugendbetreuern eine Personalakte anlegen.“

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Kommentare