Schulsozialarbeiter der WFS über Herausforderungen im digitalisierten Zeitalter

Sexy Bildchen per Handy

Geben Schülern der WFS Hinweise zum sicheren Umgang mit digitalen Inhalten: Die Schulsozialarbeiter Christine Büttner und Sebastian Pfarr (im Hintergrund das Schulgelände). Foto:Pflug

Wolfhagen. Sie macht einen Kussmund, er lächelt verschmitzt in die Kamera. Beide schießen ein Selbstportrait und verschicken es per Sms an den Partner. Eigentlich kein Problem. Wenn die beiden bekleidet wären und der Empfänger das Bild nicht mit einem Knopfdruck an jeden weiterleiten könnte.

Sexting, das Versenden erotischen Bildmaterials per Handy, ist auch Thema an der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule (WFS), sagt Ludger Brinkmann, der geschäftsführende Schulleiter. Obwohl es an der WFS erst sehr wenige Fälle gegeben habe, sei in allen Schulgremien darüber diskutiert worden und man habe auf der Gesamtkonferenz Mitte Dezember beschlossen, im Januar einen Elternabend zum Thema zu veranstalten.

Bis jetzt kaum Probleme

Sexting koche zwar in den Medien momentan hoch, sei an der WFS aber bis jetzt kein großes Problem, sagen auch die Schulsozialarbeiter Sebastian Pfarr und Christina Büttner. „Wir hatten dieses Jahr vielleicht zwei oder drei Fälle die an uns herangetragen wurden“, sagt Büttner. Allerdings gäben sehr viele Schüler auf Nachfrage an, Erfahrung mit der Thematik zu haben, sagt Pfarr: „Sie nehmen das allerdings nichts als Problem wahr und machen das wohl eher unter sich aus, als das sie zu uns kommen.“

Häufig fehlendes Wissen

Die Schüler hätten in diesem Fall kein Unrechtsbewusstsein und wüssten auch nicht, dass ihr Handeln eventuell strafbar sei, sagt Büttner. „Hier sieht man, dass die Jugendlichen das Verbreitungspotential unterschätzen. Sie schicken das an den Freund, aber bedenken nicht, dass der das auch weiterleiten könnte, wenn es mal nicht mehr so läuft“.

Die Diplomsozialpädagogen haben täglich mit den Auswirkungen des digitalisierten Zeitalters auf das Verhalten der Heranwachsenden zu tun. „Durch das Internet und Handys hat sich die Kommunikation grundsätzlich verändert: Die Jugendlichen sind ständig erreichbar, schriftliche Aussagen werden schnell missverstanden und alles wird kommentiert und geteilt. Auch die Privatsphäre wird vernachlässigt“, sagt Pfarr. Die Jugendarbeit via Workshops und Projekttagen greife zwar, denn es seien inzwischen viele der Facebookprofile der Jugendlichen nicht mehr frei zugänglich, „aber dafür haben sie dann 800 Freunde und ob sie die wirklich alle kennen, ist fraglich“, sagt Büttner. Facebook sei aber gar nicht mehr der primäre Online-Kommunikationsweg, sondern die Nachrichtenform Whatsapp mit Gruppenforen.

Netz kann auch helfen

Im Bereich Mobbing kann das Internet aber sogar hilfreich sein, „denn da hat man die Aussagen dann schwarz auf weiß“, sagt Büttner. Sie habe auch schon ausgedruckt, was online besprochen wurde und es die Schüler laut vorlesen lassen. „Da haben dann alle betreten unter sich geschaut und konnten nicht laut aussprechen, was sie nur wenige Stunden geschrieben hatten.“

Quelle: HNA

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