Hohe Mauer soll mit Sandstein verblendet werden

Sicherungsverwahrung: Anlieger sind skeptisch bis empört

Ziegenhain. Mit dem Blick auf eine ausgedehnte, über fünf Meter hohe Mauer müssen die Anlieger des großen Wallgrabens in Ziegenhain künftig leben. In einer sehr gut besuchten Versammlung am Montagabend wurden ihnen Einzelheiten zum Neubau für die hessischen Sicherungsverwahrten präsentiert.

Seit Wochen wird unter Hochdruck geplant und entworfen, damit ab 2013 bis zu 60 Männer in der hochgesicherten Anlage untergebracht werden können.

Bei der Präsentation in der Ziegenhainer Kulturhalle ging es vornehmlich um die Beschaffenheit der Mauer und die Platzierung der neuen Bedienstetenparkplätze. Dass der Neubau innerhalb des bestehenden Gefängnisses auf dem jetzigen Parkplatz hochgezogen werden soll, ist bereits seit Oktober bekannt. In drei Geschossen wird es Wohn-, Gemeinschafts- und Therapieräume sowie Platz für Büros und Besuche geben. Gerichtsurteile schreiben vor, dass die Unterbringung der gefährlichen Straftäter nach ihrer Haftverbüßung deutlich anspruchsvoller zu sein hat, als im normalen Justizvollzug.

Fotostrecke: Die Bürgerversammlung zum Neubau

Sicherungsverwahrung: Bürgerversammlung zum Gefängnisneubau

Für das Justizministerium steht seit Langem fest, dass der Neubau aus Gründen der Wirtschaftlichkeit innerhalb der bestehenden Anstalt errichtet werden muss. Platzmangel in der historischen Wasserfestung zwingt die Ingenieure nun dazu, dreigeschossig zu planen, wurde in der Bürgerversammlung erläutert. Der Bau solle bis zu 40 Zentimeter tiefer gelegt werden, hieß es, die Geschosse sollen so flach wie möglich ausgebildet werden. Die rings umgebende Mauer soll von außen angeböscht werden, so dass statt der tatsächlichen - 6,50 Meter - von außen "nur" eine Höhe von 5,40 Meter wahrnehmbar sein soll.

Die direkten Anlieger im Publikum bekundeten mehrfach ihre Empörung. Die Anmutung der Mauer wurde mit dem kolossalen Kessel der Allianz-Fußball-Arena in München verglichen. Anliegersprecher Holger Meyer bestritt die Darstellung von Staatssekretär Rudolf Kriszeleit, dass es mit ihnen Gespräche und Abstimmungen gegeben habe.

Eine Gesamtansicht des Gebäudes selbst wurde gar nicht gezeigt. Vor allem führte Planer Schneider (Bremen) aus, wie die gefürchtete Sichtbeziehung zu den Grundstücken und Häusern der Anlieger unterbunden werden soll. Zum einen sollen die Wohnräume der Sicherungsverwahrten nicht im Obergeschoss angeordnet sein. Zum anderen würde die Höhe und Platzierung der Mauer bewirken, dass von außen lediglich die Dachkante (Attika) zu sehen sein werde. Von innen sei allenfalls ein Blick auf die Dächer der umgebenden Wohnhäuser möglich.

In mehreren Beiträgen übten Zuhörer scharfe Kritik. Bemängelt wurde nicht nur die störende Maueroptik. Neue Parkplätze, die Planung für künftige Feuerwehrzufahrten und schwere Denkmalschutzkonflikte in der einmaligen historischen Wasserfestung wurden angeprangert. Bernd Völker, Sprecher des Arbeitskreises Festung, fordert vom Land Geld, um ausgleichende Sanierungen im historischen Ortskern umsetzen zu können.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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