Landart-Projekt von Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer darf auf Kreisel stattfinden

Sieben Minuten Kuh-Kunst an der Drehscheibe in Homberg

Mit der Kuh zum Kreisel: Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer freut sich über die Genehmigung der Stadt für sein Kuh-Kunstprojekt am provisorischen Kreisel in Homberg. Foto: Yüce

Homberg. Dass seine Kunst vergänglich ist, ist dem Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer klar. Dass sie aber nur sieben Minuten alt wird, das ist selbst für den Homberger schon fast rekordverdächtig.

Denn so groß ist das Zeitfenster, in dem er seine Kuh-Kunst auf dem provisorischen Kreisel an der Drehscheibe in Homberg stehen lassen darf. Die Genehmigung der Stadt hat er dafür bekommen, wenn auch nur in abgespeckter Version. Eigentlich wollte er, dass die Fahrzeuge 20 Minuten um die goldene Kuh auf dem schwarz-rot-goldenen Sockel kreisen. Die Zusage und Unterstützung der Stadt freut ihn aber. Er will seine sieben Minuten nutzen.

Das Projekt 

Autos sollen um die goldene Kuh kreisen: An der Drehscheibe wird das Kunstprojekt stattfinden. Foto: Torben Stehl

Bauer will eine Skulptur, eine goldene Kuh, die auf einem zwei Meter hohen schwarz-rot-goldenen Sockel steht, in der Mitte des Kreisels aufstellen. Das Kunstprojekt beginnt am morgigen Sonntag, 28. August, um 12 Uhr. Beim Aufbau bekommt er Unterstützung von starken Helfern, sagt Bauer. Kuh und Sockel will er kurz zuvor auf dem Sparkassen-Parkplatz ausladen und über den Zebrastreifen in Richtung Kaufhaus Sauer tragen. Dort wird er die Kuh kurz abstellen. „Sie schaut dann auf den Verkehr“, sagt Bauer. Er will auch ein paar erklärende Worte zu seinem Projekt sagen. Der Kreisel wird danach gesperrt und die Kuh-Kunst aufgebaut.

Die Performance 

Da der Kreisel für sieben Minuten gesperrt wird, können sich die Verkehrsteilnehmer entscheiden, ob sie Teil des gesellschaftskritischen Kunstprojekts sein wollen - oder nicht. Wer in dieser Zeit durch den Kreisel und an der goldenen Kuh vorbei fährt, nimmt teil. Alle anderen Fahrer müssen sich sieben Minuten gedulden, oder den Kreisel umfahren.

Die Botschaft 

Der Landart-Künstler Bauer, der im Homberger Stadtteil Mardorf lebt, sah die kreisenden Autos, manche von ihnen echte Luxuskarossen, und er sah in ihnen das Sinnbild für Geld und Materielles: den Tanz um das Goldene Kalb. Alle Welt strebe nach Einfluss und Macht, so seine Beobachtung. „Das Volk Israel tanzte um das Goldene Kalb, das deutsche Volk fährt um die Goldene Kuh“, sagt Bauer.

Nach den sieben Minuten wird die Kuh wieder abgebaut und der Kreisel freigegeben. Was dann von Bauers Kunstprojekt bleibt: Erinnerungen und Fotos.

Das sagt der Bürgermeister:

Über Kunst lasse sich streiten und das sei auch gut so, sagt Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz, der die kurze Sperrung des Kreisels genehmigt hat. Kunstfreiheit sei ein verfassungsrechtlich geschütztes Gut mit erheblichem Wert für die Gesellschaft. Da der Minikreisverkehr während des Kunstprojekts nicht überfahren werden kann und nicht regelkonform funktioniere, werde die Sperrung nötig. „Wir haben einen guten Kompromiss gefunden“, so Ritz. Bauhofmitarbeiter, die beim Märchen- und Familientag im Einsatz seien, sorgen für die Sperrung. „Dadurch fallen keine ersatzpflichtigen Kosten an.“ Ob er durch den Kreisel fahre, wisse er noch nicht. Die meisten Projekte Bauers finde er aber spannend, interessant und außergewöhnlich, das gelte auch für das gesellschaftskritische Kuh-Projekt.

Hintergrund: 

Wenn sich alles nur noch um Macht und Geld dreht, bezeichnet man das als einen „Tanz um das Goldene Kalb“. Dieses geht auf eine Geschichte aus dem zweiten Buch der Bibel zurück: Das Goldene Kalb war ein Götzenbild, das die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten gemeinsam mit Aaron schufen, während Mose auf dem Berg Sinai die zehn Gebote erhielt.

Quelle: HNA

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