Merle (SPD) will nach gewonnener Bürgermeisterwahl umziehen

Noch in Hattendorf zuhause: Hans-Ulrich Merle hat aus dem verlorenen Wahlkampf 2005 gelernt und würde bei einem Sieg nach Ottrau umziehen. Seine Frau Heike unterstützt ihn bei seiner Kandidatur. Foto: Ludwig

Ottrau/ Hattendorf. Wenn Hans-Ulrich Merle samstags die Straße vor seinem Haus in Hattendorf fegt, dann überkommt den 48-jährigen Familienvater hin und wieder ein ungutes Gefühl. Es schleicht sich immer dann ein, wenn Bekannte aus Ottrau mit ihrem Auto an dem SPD-Kandidaten für die dortige Bürgermeisterwahl vorbeifahren.

„Die denken sicher: Der Merle müsste eigentlich in Ottrau die Straße kehren“, sagt der Mann aus dem Alsfelder Örtchen. Diesen Gefallen will Merle ihnen tun, wenn er die Wahl am 27. März gewinnt.

Der Verwaltungswirt, der 2005 schon einmal zur Bürgermeisterwahl gegen den aktuellen CDU-Amtsinhaber Heinz Grein angetreten war, denkt mit Schrecken an den 3. Februar 2005 zurück. Damals, so sagt er, habe er einen großen Fehler begangen. Auf dem HNA-Lesertreff hatte Merle auf Nachbohren der Opposition gesagt, dass er bei einem Wahlsieg wohl nicht nach Ottrau ziehen werde. Aufregung machte sich im Saal breit. Tage später verlor er die Wahl ganz knapp.

„Ich habe daraus gelernt und erkannt, dass ein Bürgermeister bei den Menschen sein muss“, sagt der dreifache Vater. Und: „Es ist eine Charakterfrage zu verlieren und wieder anzutreten.“

Auch wenn er in Hattendorf lebe, reichten seine persönlichen Beziehungen seit jeher nach Ottrau, sagt der leidenschaftliche Trompeter und Motorradfahrer. Deshalb will er sich auf für die Gemeinde einsetzen und dabei keine Arbeitsstunden zählen. Als Bürgermeister will Merle, der seit einem Vierteljahrhundert auf dem Sozialamt in Lauterbach arbeitet, den sozialen Ausgleich im Auge behalten.

Damit verbunden ist für ihn auch der Zusammenhalt Ottraus: „Wir brauchen ein neues Wir-Gefühl. Die Dörfer verstehen sich noch nicht als Gemeinde. Es ist mein Ziel, dass alle an einem Strang ziehen.“

Weitere Aufgaben und Ideen, die er anpacken will sind: Eine stärkere Einbindung der Ortsbeiräte, Bündelung der touristischen Angebote und die Gründung eines interkommunalen Industriegebiets. Vor allem für junge Menschen müsse Ottrau wieder attraktiver werden. Große Geldversprechen zu machen, sei angesichts von fünf Millionen Euro Schulden aber unredlich.

Erste Tat geplant

Sollte er im Juli auf dem Sessel des Bürgermeisters Platz nehmen, will Merle als erste Amtshandlung das Bürgerbüro durchgängig besetzen. „Dort herrscht derzeit ein völlig falscher Dienstleistungsgedanke.“

Und was ist, wenn er am 28. März einmal mehr als Verlierer aufwacht? „Das letzte Mal habe ich mir aus Frust ein Motorrad gekauft. Damals konnte ich nur Zweiter werden, diesmal ist im schlimmsten Fall der vierte Platz möglich.“ Weil er kein zweites Motorrad braucht, will er für den Sieg kämpfen – aber fair. Zur Person

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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