So sieht ein Autist die Welt: Klaus Schweinsberg stellt Arbeiten aus

Ordnung im Chaos: Das 20 Quadratmeter große Appartement von Klaus Schweinsberg gleicht einem Museum. Im scheinbaren Chaos haben alle Dinge ihren festen Platz. Die Motive an den Wänden spiegeln das Interesse des Künstlers zwischen Ästhetik und rationalen Formen wider. Foto: pju

Bad Emstal. Selbst gemalte Bilder, Fotos aus Zeitschriften und Magazinen pflastern die Wände des 20 Quadratmeter großen Appartements von Klaus Schweinsberg.

Die Motive reichen von ästhetischen Frauenmotiven bis zu technischen und geometrischen Schaubildern.

Das Bücherregal im Flur quillt über, ein Keyboard steht in der Ecke. Alles wirkt chaotisch, hat aber doch seinen festen Platz. Der 60-jährige Asperger Autist wohnt seit 2006 im heilpädagogischen Wohnheim Schwarzer Weg in Merxhausen und malt seit zwei Jahren im kunsttherapeutischen Atelier „Alte Wäscherei“.

Seit einem Jahr malt der Künstler mit großer Vorliebe Frauen. Eine Auswahl seiner aktuellen Bilder wird im Rathaus Bad Emstal-Sand ab heute ausgestellt. Gemalt habe er schon sein ganzes Leben lang, erinnert sich Klaus Schweinsberg. „Die Schulhefte waren alle vollgemalt“, sagt der Künstler. Besonders in schweren Lebenskrisen war die Malerei eine Berufung und Befreiung zugleich. „Das Malen hat ihm geholfen sich auszudrücken und so die Selbstzerstörung verhindert“, sagt Kunsttherapeutin Silke Tramberend.

Entstanden sind weit über 500 Bilder. Die meisten davon hat Schweinsberg verschenkt oder sie sind den schweren Lebensphasen zum Opfer gefallen, in denen er viele Malereien zerstört hat. „Er ist sehr musisch“, sagt die Malerin.

Mathebuch als Nachtlektüre 

Als Asperger Autist habe er viele Sonderbegabungen. Malerei, Musik und Mathematik spielen im Leben des 60-jährigen Bad Emstalers eine große Rolle. Zwischendurch hat er auch Gedichte geschrieben und Holzskulpturen gebaut. „Abends liegt er im Bett und liest im Mathematiklexikon“, sagt die 45-Jährige. Unzählige Mathematikformeln kann Klaus Schweinsberg auswendig. Der Spagat zwischen Ästhetik und Geometrie spiegelt sich auch an den Wänden seines kleinen Appartements wider.

Schweinsberg hat ein heroisches Frauenbild. Frauen seien einfach schön und hilfsbereit. „Und Frauen sind schlauer als Männer“, sagt der 60-Jährige. Wenn er eine Frau geworden wäre, dann hätte er viel erreicht, betont er. „Die Aktmalerei sei für ihn eine Befreiung, weil es früher verboten war“, sagt Silke Tramberend.

Die Arbeit in Werkstätten sei ihm sehr schwer gefallen, sagt die Kunsttherapeutin. „Es wird ihm dort langweilig, weil es keinen kreativen Anspruch gibt und das ist nichts für ihn.“ Klaus Schweinsberg verwendet für seine Bilder Acryl, Bunt- und Aquarellstifte und Ölkreide. Auffallend sind die knalligen Farben. „Ihm ist wichtig, dass alle Farben drin sind und die Frauen auf den Bildern strahlen“, sagt die Malerin. „Wenn ich mich gerne habe, dann male ich mir ein rotes Herz“, sagt Klaus Schweinsberg.

Die Ausstellung von Klaus Schweinsberg ist ab heute, 23. Juli, im Rathaus in Bad Emstal zu sehen. Eröffnung ist mit einer Vernissage um 11 Uhr. Die Porträts und Aktmalereien in Acryl, Ölkreide und Buntstifte sind bis zum 23. Oktober zu sehen.

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

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