Das Saitenduo Trekel-Tröster erhielt in der Hospitalskapelle überschwänglichen Applaus

Silbrige, flinke, flirrende Musik

Harmonierten perfekt: Steffen Trekel (links) und Michael Tröster waren in Treysa. Foto: Grebe

Schwalmstadt. Die kleine Hospitalskapelle in Treysa war am späten Samstagnachmittag zum Bersten gefüllt mit Vorfreude auf ein Konzert des Duos Trekel-Tröster (Mandoline und Gitarre). Nachdem Horst Rininsland die Gäste, darunter Zupforchester aus Gießen, Gemünden und Marburg, begrüßt hatte, servierte das Zupforchester Schwalmstadt schottische Tänze auf Mandolinen, Mandolen, Gitarren, Kontrabass und Schellenkranz. Leiterin Brigitte Michelbach stimmte die Zuhörer mit „Herbsttag“ von Rainer Maria Rilke auf Jürgen Thiergärtners (*1961) „Herbstimpressionen“ ein. Den 14 Instrumentalisten gelang es scheinbar mühelos, all das in Musik auszudrücken, was man mit dieser Jahreszeit assoziiert: wilde Stürme, peitschender Regen, Trauer über den verlorenen Sommer. Doch dazwischen die Sonne, die hin und wieder aus den Nebelschwaden hervorlugte und ihre Strahlen auf das bunte Laub zauberte.

Steffen Trekel und Michael Tröster, gerade aus Japan zurückgekehrt, begeisterten am Samstag auch die Treysaer mit ihrem Programm aus neuen und alten Originalkompositionen und überzeugenden Bearbeitungen.

Die viersätzige Sonate in G-Dur von Domenico Scarlatti spielten sie auf einer mit Federkiel angeschlagenen Barockmandoline und einer sechschörigen Barockgitarre – der Mandolinenhals mit Perlmutt veredelt, das Schallloch der Gitarre mit Ranken verziert. Sogar die Krawatten der Musiker waren farblich auf das jeweils andere Instrument abgestimmt. So wie die Garderobe harmonierten auch die beiden Künstler musikalisch perfekt miteinander. Spritzig die Mandoline, die Gitarre das harmonische Gerüst bauend, ergänzt um ein kleines Lächeln, einen zueinander gewandten Blick und ein aufmunterndes Nicken zur Absprache.

Der Komponist von „Collagen“, Klaus Wüsthoff, ist 91 Jahre alt, erzählte Trekel, fährt täglich Rad und widmete das Stück dem Duo. Die Mandoline wurde fast perkussiv behandelt, ergänzt um ein rhythmisches Klopfen auf den Instrumentenkorpus. Heller, silbriger und flinker ging es in dem „Capriccio Spagnuolo“ von Carlo Munier zu, für das Trekel ein italienisches Instrument wählte. „Ich glaube, das Stück kenne ich“, rief ein Zuhörer, als die Musiker gerade mit Stimmen beschäftigt waren, ein Luftzug war schuld. Doch nahmen sie es mit Humor: „Das Stück gibt es auch für Geige und Cello“, ergänzte Trekel mit einem Augenzwinkern.

Was für ein Ausreißer der junge Spanier Isaac Albeniz war, schilderte Tröster dem interessierten Publikum. Sein „Asturias“ für Sologitarre spiegelte die Kornkammern und die kantigen Felsen der Pyrenäen wider. Tröster erweckte durch unterschiedliche Stimmführungen die spanische Landschaft zum Leben und ließ die Töne flirren wie Staub über frisch abgeernteten Kornfeldern.

Auf den unter tosendem Applaus überreichten Blumenstrauß mit Ahler Worscht antworteten die Musiker mit „Paçoca“ von Celso Machado (*1953), einer brasilianischen Süßigkeit.

Von Dorothea Grebe

Quelle: HNA

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