Das Geschichtsbuch: Dieter Hahn und Wilhelm Weckesser erinnern sich an ihre Kriegsgefangenschaft

Sie sind Freunde seit dem Krieg

Im Lager: Diese Aufnahme bekam Dieter Hahn von einem Amerikaner. Sie zeigt die Fabrik Jarville, in der die Gefangenen untergebracht waren. Foto: 2 Rose/1 privat

Schwalm. Es war ein Tag vor 65 Jahren. Dieter Hahn und Walter Bierwirth aus Spieskappel, Horst Hartwig und Konrad Schmeers aus Großropperhausen, Wilhelm Weckesser aus Ziegenhain sowie mehrere weitere junge Männer aus der Schwalm und dem Raum Alsfeld befanden sich gemeinsam auf dem Transport nach Hause, entlassen aus Kriegsgefangenschaft.

Die vereinte Heimkehr empfanden sie als einzigartige Gemeinsamkeit und begingen ihren Jahrestag im August über Jahrzehnte. Heute sind viele nicht mehr am Leben, doch eine kleine Gruppe kommt noch immer zusammen, um sich an die Ereignisse zu erinnern.

„Die zwei Monate in der Nähe von Paris haben mich sehr geprägt“, erzählt Dieter Hahn. Zunächst sei er einem Lager mit 3000 Kriegsgefangenen zugeordnet worden, später habe er in kleineren Pionierdepots Dienst getan, unter anderem in der Küche. Durch eine Suchkarte fand Dieter Hahn ganz in der Nähe auch seinen Bruder Karl wieder, der mit 3000 anderen in einer französischen Kaserne interniert war. Die Brüder hatten sich drei Jahre lang nicht gesehen.

Dieter Hahn und all die anderen Kriegsgefangenen liefen jeden Morgen auf einen Flugplatz bei St. Nicolas, wo 2000 amerikanische Panzer – die Hälfte neueren Typs – auf die Bahn nach Le Havre zum Rücktransport nach Amerika verladen wurden. „Alle anderen wurden ausgeschlachtet, die Motoren ausgebaut, die Geschütze durchgeschweißt und gesprengt – immer 100 Stück auf einmal“, erzählt der 84-jährige Allendörfer. Es habe jedes Mal ein Feuerwerk gegeben, wenn die mit Munition gefüllten Panzer in die Luft flogen: „Das konnten wir aus zehn Kilometern Entfernung beobachten.“

Zur selben Zeit war Wilhelm Weckesser ebenfalls in amerikanischer Gefangenschaft in Le Mans. „Man hat uns dort menschlich behandelt. In vielen anderen Lagern hat das aber anders ausgesehen. Ich hatte Glück und konnte sogar in meinem Beruf arbeiten“, erzählt der 86-Jährige. Als Mechaniker war der damals knapp 20-Jährige gefragt. „Ich bin wegen dieser Zeit nicht gram“, sagt Weckesser. „Ich habe gewusst, dass meine Eltern und meine Schwester am Leben waren – das war mir das Wichtigste.“ Weckessers Familie erfuhr 1946 vom Verbleib des Sohnes: „Es gab vorgedruckte Karten, auf denen man ankreuzen musste, ob man verwundet ist oder nicht. Und die gingen dann unterschrieben in die Heimat“, erklärt der Ziegenhainer.

Hund im Seesack

Auf Dieter Hahn traf Wilhelm Weckesser dann im Entlassungslager Attichy, wo sie nach zwei Wochen gemeinsam die Heimreise antraten. Mit im Gepäck hatte der Frielendorfer einen Hund. Die Amerikaner schauten großzügig darüber hinweg, dass ihn Hahn im Seesack verstaut hatte. „Als er im Zug dann rausschaute, haben die anderen nicht schlecht gestaunt“, erzählt Weckesser.

Bis heute sind beide einfach froh, die Zeit der Gefangenschaft gut überstanden zu haben.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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