Günter Brandt, Schulleiter der Schule am Katzbachtal, wird am Freitag verabschiedet

Sinn für Heimat und Platt

Geht in Ruhestand: Günter Brandt, der Schulleiter der Schule am Katzbachtal, prägte viele Jahre die Philosophie der Grundschule und Förderschule für Lernen und Sprache in Oberaula. Foto: Thiery

Oberaula. Wenn Günter Brandt morgens in die Schule kommt, grüßt er seine Sekretärin gern mal in einem schönen Schwälmer Platt mit „Gemorje Astrid, bi getts der dann derre morje?“ Übersetzt: Guten Morgen Astrid, wie geht es dir denn heute Morgen?

Das kleine Späßchen an manchen Tagen wird der Schulleiter der Schule am Katzbachtal in Oberaula demnächst nicht mehr halten: Am Freitag, 3. Februar, wird er in den Ruhestand verabschiedet.

Die 13 Lehrer der Schule am Katzbachtal, eine Grundschule und Förderschule für Lernen und Sprache, werden dem 65-Jährigen fehlen. „Es hat mir immer Spaß gemacht, an der Schule zu arbeiten“, sagt Brandt. Ein wenig schade findet er es, dass noch kein Nachfolger fest steht.

Korrekt und gleichzeitig verbindend, das zeichnete ihn und seine Arbeit stets aus. Es sei es immer sein Ziel gewesen, in der Grundschule mit dem Förderschulzweig Gemeinsames zwischen den beiden Schulzweigen und den Kindern aufzubauen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Dass er damit Erfolg hatte, sei an der Resonanz der Eltern zu erkennen. Deren Akzeptanz gegenüber den Integrationsklassen sei stark gewachsen, erzählt er. Keiner würde mehr sagen „Mein Kind soll nicht gemeinsam mit einem Sonderschüler unterrichtet werden.“ Vielmehr sei das Gegenteil der Fall. Dank dem zweiten Lehrer in den Klassen könne man sich allen Kindern intensiv widmen. Diesen Vorteil hätten die Eltern erkannt.

Schulzweig läuft aus

Der Förderschulzweig der Schule, in dem bisher 50 der 150 Schüler unterrichtet werden, läuft in den kommenden Jahren aus. Die Sonderschüler werden ab dann nach Treysa in die Schule gehen. Dass man der demografischen Entwicklung Tribut zollen muss, findet Brandt unumgänglich. „Es macht ja keinen Sinn, für ein paar Kinder einen ganzen Schulzweig zu führen“, sagt er.

Kritiker der Inklusion

Kritischer steht der scheidene Schulleiter und Gewerkschaftsmitglied allerdings die bevorstehende Inklusion, den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Er befürchtet eine Überforderung von Grundschulen und Lehrern. So wie das zurzeit geplant ist, ist das seiner Meinung nicht ausgereift genug. Die jungen Lehrer hätten es nicht leicht. Ständige Neuerungen und viel Bürokratie prägten das Schulleben. Von den jungen Kollegen werde dazu viel örtliche Flexibilität verlangt, sagt er.

Er hätte es sich noch aussuchen können, wo er leben und arbeiten möchte, anders als heute. Er war froh, dass er seinerzeit die Stelle in Oberaula bekam und seine Wurzeln in der Schwalm schlagen konnte. Er sei bodenständig und mit seiner Heimat verbunden.

So kann er ja am kommenden Freitag ein letztes Mal in seiner Funktion als Schulleiter „Mach‘s Jütt“ sagen, wie er das aus Spaß zum Abschied auch manchmal der Sekretärin nach Dienstschluss zuruft. Die offizielle Verabschiedung von Günter Brandt ist am Freitag, 3. Februar, ab 11 Uhr im Hotel Zum Stern in Oberaula.

Quelle: HNA

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