Skepsis bei Biosprit: Tankstellenpächter warten noch auf E10

Unsicherheit an der Zapfsäule: Im Schwalm-Eder-Kreis ist der neue E 10-Sprit noch die Ausnahme, in Melsungen ist er noch gar nicht erhältlich. Foto: Bassing

Melsungen. Mit großer Skepsis erwarten die Tankstellenbetreiber in Melsungen die Einführung des neuen Biobenzins E10. Eigentlich sollte der neue Kraftstoff bis Ende März in allen Tankstellen erhältlich sein, doch durch die massiven Proteste der Kunden ist die Einführung erst einmal gestoppt worden.

In Melsungen ist der Kraftstoff überhaupt noch nicht erhältlich. „Trotzdem sind wir täglich mit E10 konfrontiert“, sagt Mirza Fitozovic vom Tankcenter in Melsungen. Die Verunsicherung bei den Autofahrern sei trotz der Medienpräsenz enorm groß. Das sei aber immer so, wenn etwas Neues eingeführt würde.

Selbst bei der Umbennenung des bisherigen Superbenzins in Super 95 hätten die Kunden mit Nachfragen und Skepsis reagiert, erinnert sich ein Mitarbeier der Melsunger Aral-Tankstelle. Dass mittlerweile zwar Listen in den Tankstellen auslägen, welche Autos den neuen Biosprit angeblich vertragen, die Hersteller jedoch keine Garantie übernähmen, sieht er als Hauptgrund für die Ablehnung der Autofahrer.

Auch Ulrich Riemenschneider von der Honsel-Tankstelle kann verstehen, dass Autofahrer skeptisch sind. Auf den Freigabelisten stehe nämlich auch noch folgender Satz: „Bitte beachten Sie, dass durch den Kontakt mit Biosprit Lacke geschädigt werden können“. „Und was soll dann erst mit Gummiteilen passieren?“, fragt Riemenschneider.

Auch an den meisten Tankstellen in Fritzlar und Homberg gibt es noch gar keinen Biosprit E10. „Die Autofahrer sind aber jetzt schon verunsichert“, sagt Katharina Rehburg von der Westfalen-Tankstelle in Fritzlar. Die Mitarbeiter der Tankstellen wollen die Kunden beraten, können aber nicht die Verantwortung für die Verträglichkeit von E10 übernehmen. „Da müssen die Kunden sich an den Hersteller wenden, wir haben ja auch keine Erfahrungswerte“, sagt Klaus Grass von der Aral-Tankstelle Gudensberg.

Die meisten Kunden lehnten den neuen Kraftstoff ab, berichtet Furat Kasar von der Shell-Station in Ziegenhain stellvertretend auch für Berufskollegen, die bereits E10 in der Zapfsäule haben. Wessen Auto keinen Biosprit verträgt, der muss auf das deutlich teurere Super Plus zurückgreifen.

Der Preisunterschied zwischen den einzelnen Kraftsoffen liegt etwa zwischen 6 und 8 Cent, gaben die Tankstellen an. „Die Kunden werden trotzdem das teurere Benzin tanken, weil sie Angst vor Schäden am Auto haben“, meint Karl Werdnik, Besitzer der Shell-Tankstelle Gilserberg.

Von positiven Erfahrungen mit E10 berichtet dagegen die SB-Tankstelle in Fritzlar am Erfurter Ring. Viele Autofahrer würden zum neuen Sprit greifen, sagt Pächter Andreas Müller. (juh/bas)

Quelle: HNA

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